Kurzer Abriß der Geschichte der kroatischen Volksgruppe in Österreich

Zitiert nach:
Schruiff, Franjo, "Zur Geschichte und Entwicklung der kroatischen Volksgruppe”
in: Karall, Kristina: Gradišćanskohrvatski glasi - Sprachkurs Burgenlandkroatisch. Weitra 1997 (Bibliothek der Provinz), Teil I.

Die kroatische Volksgruppe im Burgenland - kroatisch "Gradišćanski Hrvati" - wurde im 16. Jahrhundert im Grenzgebiet der heutigen Staaten Österreich, Ungarn und der Slowakei angesiedelt. Kerngebiet des damaligen Siedlungsgebietes war das heutige Burgenland und der östliche Teil Niederösterreichs.

Heute leben in diesen Gebieten je nach Schätzung ca. 50.000 bis 60.000 Personen mit kroatischen Sprachkenntnissen, die Mehrzahl von ihnen im heutigen Burgenland und in Wien. Damit sind die Burgenlandkroaten die zahlenmäßig größte anerkannte Volksgruppe in Österreich.

Die "alte Heimat" der Burgenlandkroaten liegt im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Kroatien und Bosnien-Herzegovina.


Ursachen und Voraussetzungen der Ansiedlung kroatischer Kolonisten

Nach einer Wirtschaftskrise im ausgehenden Mittelalter, zahlreichen Epidemien und nach den Türkenzügen von 1529 und 1532 war ein großer Teil der damaligen westungarischen Landstriche verödet und verwüstet. Diese Tatsache schuf die Voraussetzung zur Einsiedlung kroatischer Kolonisten. Die Umsiedlungsaktionen wurden von den Grundherren (v.a. Adelsfamilien Nádasdy, Erdödy und Batthyány) organisiert, die sowohl in Westungarn als auch in Zentralkroatien Ländereien besaßen. Aufgrund des Vordringens des Osmanischen Reiches auf der Balkanhalbinsel schien es für die Grundherren sicherer, Leibeigene aus den südlichen Besitzungen in den westungarischen Raum umzusiedeln. Auch militärstrategische Überlegungen spielten eine Rolle. Südöstlich der Hauptstadt Wien sollte sowohl aus Versorgungs- als auch aus Verteidigungsgründen eine funktionierende ländliche Infrastruktur erhalten werden.

Nach vorsichtigen Schätzungen sind im 16. Jahrhundert etwa 20.000 bis 60.000 kroatische Siedler in das Gebiet des heutigen Burgenlandes, den südöstlichen Teil Niederösterreichs, in Teile Westungarns, Südmährens und der Südwestslowakei umgesiedelt worden. In mehreren Schüben mischten sich Flüchtlingsströme und organisierte Umsiedlungen, wie erhalten gebliebene Anordnungen des Grafen Batthyány aus dem Jahr 1532 zeigen.

Die ersten Spuren der kroatischen Ansiedler finden sich um das Jahr 1515 in Urbaren (Grund- und Abgabenverzeichnissen) im Eisenstädter Bezirk. Im 16. Jahrhundert machten die kroatischen Siedler rund 30 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil der Ansiedler waren Bauern, aber es gab auch Priester, Handwerker, Händler, Kleinadelige und Adelige.

Einen rechtlichen Sonderstatus genossen die am Südrand des Günser Gebirges im Bezirk Oberwart in 13 Ortschaften angesiedelten "Vlahi", oder Walachen, die einen eigenen Dialekt sprechen. Sie hatten nur geringe Abgaben zu leisten, waren von der Robot befreit und wurden von den grundherrschaftlichen Familien Batthyány und Erdödy zu militärischen und polizeilichen Aufgaben herangezogen. Im Unterschied zu den übrigen Bauern betrieben sie bis ins 19. Jahrhundert intensive Weidewirtschaft und einen florierenden Vieh- und Wollhandel zwischen der Steiermark, Niederösterreich, Ungarn und Bosnien.

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Widerstände gegen die Ansiedlung

Mitte des 16. Jahrhunderts regte sich Widerstand gegen die "Fremden". Die niederösterreichischen Stände forderten Kaiser Maximilian II. auf, weitere kroatische Einwanderungen zu verbieten, die kroatischen Ansiedler durch deutsche zu ersetzen und nicht mehr zu Ämtern zuzulassen. Nach anfänglichen Bedenken erließ Maximilian II. im Dezember 1573 eine Geheimverfügung, in der er den Forderungen der Stände entsprach und eine allgemeine rechtliche Diskriminierung der kroatischen Untertanen verfügte.

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Konsolidierungsphase

Nach der turbulenten Zeit der Wanderung und der Ansiedlung in gänzlich oder großteils verödeten Dörfern, teilweise auch in echten Neugründungen (vor allem im südlichen Burgenland), folgte eine Phase der wirtschaftlichen und kulturellen Konsolidierung.

Die Burgenlandkroaten brachten verschiedene kroatische Dialekte der čakavischen, kajkavischen und štokavischen Mundart mit, sodaß die Umgangssprache oft von Ort zu Ort beträchtliche Unterschiede aufwies. Auch die Schriftsprache, das im 19. Jahrhundert vereinheitlichte Burgenlandkroatisch, unterscheidet sich beträchtlich von der modernen Schriftsprache der Republik Kroatien. Die kroatischen Siedler brachten auch ihre altkirchenslawische Tradition mit der sogenannten glagolitischen Schrift und glagolitischen Liturgie mit. Zeugnis davon gibt das älteste schriftliche Dokument der Burgenlandkroaten, eine handschriftliche Eintragung in einem Meßbuch in Klimpuh/Klingenbach aus dem Jahre 1564. Die glagolitischen Spuren verschwinden aber rasch.

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Reformation und Gegenreformation – Geburt der Schriftsprache

Während der Reformation wirkten im Burgenland verschiedene kroatischsprachige protestantische Lehrer und Theologen, die die ersten Publikationen in kroatischer Sprache im Burgenland schufen. Der bedeutendste unter ihnen war der Pastor Gregor Pythiraeus-Mekinich, der zwischen 1609 und 1611 im mittelburgenländischen Deutschkreutz zwei protestantische Graduale in kroatischer Sprache, die "Dusevne peszne" herausgab. Dem Wirken der kroatischen Reformatoren war allerdings nur vorübergehender Erfolg beschieden. Dennoch stellen ihre literarischen Früchte den Beginn der kroatischen Schriftsprache im Burgenland dar.

Eine erste Hochblüte erlebte die kroatische Schriftsprache in der Zeit der Gegenreformation, als kroatischstämmige Bischöfe und Jesuiten im 18. Jahrhundert religiös-erbauliche Werke in kroatischer Schriftsprache unters Volk brachten. Verstärkt wurde die Volksfrömmigkeit der Kroaten auch durch zahlreiche neu gestiftete Wallfahrtskirchen wie etwa Frauenkirchen (Svetica za Jezerom) oder Maria Loretto (Lovreta) bei Eisenstadt. Aus der Flut kroatischer Bücher dieser kroatisch-religiösen Literaturszene sind besonders die Werke von Eberhard Maria Kragel, Ladislav Valentich und Laurentius Bogovics zu erwähnen. Letzterer schuf das bis heute weit verbreitete klassische Gebetbuch der Burgenlandkroaten "Hisa Zlata".

Die burgenlandkroatische Schriftsprache wurde nach den Regeln der ungarischen Orthographie geschrieben, ebenso die meisten Familiennamen. Bei diesen hat sich die ungarische Schreibweise bis heute erhalten. Typisch sind Namensendungen auf "-its", "-ich" und "-ics", allesamt ungarische Schreibweisen für das kroatische "-ić".

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Kulturelle und sprachliche Entwicklung

Die ersten kroatischen Schulbücher aus den Jahren 1746 und 1747 gingen auf Privatinitiativen zurück. 1806 erschien das erste richtige Schulbuch für die kroatischen Schulen Westungarns, der "Slabikar aliti jimen knyizicza" von Pater Johann Sigismund Karner. In diese Zeit fallen auch die ersten Kontakte mit den Kroaten in der alten Heimat.

Einen Meilenstein in der Entwicklung einer eigenen Hochsprache stellte zweifelsohne die - allerdings nie gedruckte - Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache der Burgenlandkroaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Der kroatische Volkskundler und Volksliedsammler Fran Kurelac erforschte zwischen 1846 und 1848 das Volksliedgut der Burgenlandkroaten. Besonders die seit 1805 erscheinenden Kalender in Jahrbuchform erfreuten sich unter der einfachen Bevölkerung großer Beliebtheit und trugen wesentlich zur Verbreitung und Verfestigung der burgenlandkroatischen Schriftsprache bei.

Die Herausbildung einer eigenständigen Kultur der Burgenlandkroaten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von der Zentralregierung in Wien unterstützt. Unter dem Eindruck der ungarischen Revolution von 1848 versuchten die Wiener Zentralstellen, das liberale, antihabsburgische Lager in Ungarn zu schwächen, und begannen die eigenständige kulturelle Entwicklung der kleinen nichtungarischen Volksgruppen zu fördern. Dabei bedienten sie sich in erster Linie der Hilfe der katholischen Priesterschaft, unter deren Aufsicht auch das gesamte Volksschulwesen in Ungarn stand.

1853 erschien eine Schulfibel für Kroaten, die speziell für die Burgenlandkroaten adaptiert werden mußte. Das Volksschulgesetz von 1868 institutionalisierte den Unterricht in der Muttersprache der Bevölkerung, und der steigende Bedarf an Schulbüchern führte zu einer Verfestigung der eigenständigen Schriftsprache auf der Grundlage der čakavischen und ikavischen Dialekte sowie zur Übernahme der modernen kroatischen Rechtschreibung.

Zahlreiche Liederbücher von Michael Nakovich, Johann Vukovich und Jakob Dobrovich haben das vielfältige Volksliedgut der Burgenlandkroaten bis heute lebendig erhalten. Eine burgenlandkroatische Weise, das Volkslied "Jutro rano sam se ja stao" (Frühmorgens stand ich auf), hat Joseph Haydn möglicherweise als Vorbild für die von ihm komponierte alte Kaiserhymne "Gott erhalte" gedient, die später als Melodie der deutschen Nationalhymne "Deutschland, Deutschland über alles" bzw. nunmehr "Einigkeit und Recht und Freiheit" weltbekannt wurde.

Ihre erste Hochblüte erlebte die burgenlandkroatische Literatur um die Jahrhundertwende mit den Werken des Priesters Mate Meršić-Miloradić. In dem von ihm seit 1903 herausgegebenen Bauernkalender "Kalendar Svete Familije" (Kalender der Heiligen Familie) entwickelte er ein einmaliges und bis dahin unerreichtes dichterisches Schaffen und wurde zum Dichter der Burgenlandkroaten schlechthin. Aus seiner Feder stammt auch der Text der burgenlandkroatischen Hymne "Hrvat mi je otac".

Die kulturelle Entwicklung blieb lange mit der religiösen verbunden. Mangels eigener kroatischer politischer und wirtschaftlicher Zentren wurde das Dorf, die Dorfgemeinschaft, zur Grundlage des kroatischen Volkslebens. Da diese dörflichen Siedlungen von den Gesellschafts- und Kulturimpulsen der Städte abgeschnitten waren, konnten sie kein berufständisches, auf Zünfte gegründetes Vereinswesen mit überregionaler Ausrichtung entwickeln. Es waren vielmehr Vereinigungen religiös-kultureller Richtungen, die das kroatische Vereinsleben im Burgenland begründeten.

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Magyarisierungsversuche

Die intensiven Versuche nationalistischer ungarischer Regierungen zwischen 1879 und 1918, die Verbreitung der ungarischen Sprache durchzusetzen und die Minderheitensprachen - auch durch massive Magyarisierungsmaßnahmen im Unterrichts- und Amtssprachenbereich - zurückzudrängen, hatten nur bescheidenen Erfolg. Nach den Ergebnissen der Volkszählung 1920 beherrschten nur 26,8 Prozent der gesamten Bevölkerung des Burgenlandes die ungarische Sprache in Wort und Schrift. Die geistige Elite der Volksgruppe, insbesondere die Priester- und die Lehrerschaft, erhielt ihre Bildung aber großteils in ungarischer Sprache und war pro-ungarisch eingestellt.

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Ökonomie und Sozialstruktur

Weinbau und Weinhandel, Getreideanbau und Viehzucht bildeten jahrhundertelang die wirtschaftliche Grundlage der Burgenlandkroaten. Unter den kleinbäuerlichen Schichten setzte bereits im 19. Jahrhundert eine starke Arbeitswanderung ein, erst als Erntearbeiter, später als Industrie- und Bauarbeiter in die Industriegebiete des Wiener Beckens, nach Wien und Graz. Gleichzeitig kam es auch zu einer großen Auswanderungswelle in die USA, die um die Jahrhundertwende ihren Höhepunkt erreichte. Beim Zusammenbruch der Habsburgermonarchie war mehr als die Hälfte der kroatischsprachigen Bevölkerung des Nordburgenlandes bereits in der Industrie beschäftigt. Im Mittel- und Südburgenland hingegen betrug der Anteil der in der Landwirtschaft Tätigen noch 67 Prozent. Ein wesentliches Problem der Kroaten in der Ersten Republik stellte daher die Frage der Bodenreform dar. Die land- und forstwirtschaftlichen Flächen des Burgenlandes blieben trotz kleinerer Verbesserungen zugunsten der Kroaten weiterhin in der Hand ungarischer und deutsch-österreichischer Großgrundbesitzer. Dem kroatischen Klein- und Zwergbesitz im Ausmaß von zwei bis fünf Hektar Grund standen Besitzungen von mehreren Tausend Hektar gegenüber. Der Aufbau von Genossenschaften nach dem Muster von Raiffeisen hatte kaum mehr Erfolg als die Bodenreform. Viele Menschen waren zur Abwanderung gezwungen.

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Assimilationstendenzen in Österreich

Eine der großen Schwierigkeiten für das neue Burgenland bestand darin, daß die größeren Städte, die bislang lokale Zentren des Handels, der Verwaltung und der Politik gewesen waren, bei Ungarn verblieben waren. Die neugeschaffene deutsche Verwaltung und die deutschnationale Propaganda durch den Schulverein Südmark bewirkten einen Assimilationsschub.

Die Haltung der kroatischsprachigen Bevölkerung in der Frage des Anschlusses des Burgenlandes an Österreich 1920/21 war einerseits bestimmt von Ängsten über die Abschneidung von den Industriegebieten und Märkten im wirtschaftlich stärker entwickelten Österreich und andererseits von der Angst um den Verlust ihrer muttersprachlichen Volksschulen unter den österreichischen Schulgesetzen. Das österreichische Volksschulgesetz sah eine strikte Trennung von Kirche und Schule vor. Für viele schien dadurch der Weiterbestand der katholischen muttersprachlichen Volksschulen konkret gefährdet.

Aus diesem Grund überreichte der 1920 gegründete kroatische Kulturverein "Hrvatsko kulturno društvo" unter der Leitung klerikalkonservativer Lehrer und Priester der Grenzkommission der Siegerkräfte ein Memorandum, worin man den Verbleib der kroatischen Ortschaften bei Ungarn forderte. Dies hatte zur Folge, daß bei der Festlegung der neuen Landesgrenze kroatische Ortschaften im unmittelbaren Grenzbereich mit rund 10.000 Einwohnern zu Ungarn geschlagen wurden.

Die vier Sprachen des Burgenlandes (Romanes, Ungarisch, Kroatisch, Deutsch) erfuhren nach dem Anschluß des Burgenlandes an Österreich eine klare Verschiebung von Ungarisch zu Deutsch als wichtigste öffentliche Sprache. Diese neue Hierarchie der Sprachen wurde bald von den Burgenländerinnen und Burgenländern aller Sprachgruppen verinnerlicht. Im Zusammenhang mit dem Druck, die deutsche Sprache besser beherrschen zu müssen als das Kroatische, ist auch die ständig sinkende Sprachkompetenz der Volksgruppenangehörigen in ihrer Muttersprache, die marginalisierte Bedeutung der Volksgruppensprachen im Schul- und Bildungswesen und letztendlich auch die mit dem Sprachverlust eng verbundene kulturelle und ethnische Assimilierung im Burgenland bis in die Gegenwart zu sehen.

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Politische Spaltung der Volksgruppe

In der Zwischenkriegszeit wurde die kroatische Volksgruppe in zwei große politische Lager gespalten. Die Auseinandersetzungen entzündeten sich an der Schulfrage. 1920 hatte man die ungarischen Schulgesetze im Burgenland vorübergehend in Kraft belassen. Als die Sozialdemokraten 1922 auf eine Einführung des österreichischen Schulgesetzes im Burgenland drängten und dies auch im Landtag beschlossen wurde, wurde dies von den regierenden Christlichsozialen auf Bundesebene verhindert. Die Christlichsozialen setzten so die Beibehaltung der katholischen Volksschulen im Burgenland und damit die kirchliche Kontrolle über Schulorganisation und Lehrpläne durch. Daraufhin wurden in sozialdemokratisch dominierten Gemeinden deutschsprachige Volksschulen gegründet.

Die Verwendung der burgenlandkroatischen Schriftsprache war zum Symbol christlichsozialer Orientierung geworden, und sozialdemokratische Kroaten lehnten ihre Verwendung in der Schule und im Amtsverkehr ab, die sozialdemokratische Zeitung "Naš Glas" (Unsere Stimme) wurde eingestellt. Dies führte zu einer sehr zurückhaltenden Investitionspolitik des Landes auf dem Sektor des kroatischen Schulwesens. Zwar wurde eine Schulfibel publiziert, aber wichtige Aspekte - wie etwa die Lehrerfortbildung oder das weiterführende Schulwesen - blieben auf dem Niveau zusätzlicher Freigegenstände.

Kroatische Organisationen wurden zunehmend in die christlichsozialen Parteistrukturen integriert. Der 1929 neu gegründete Kroatische Kulturverein sollte zwar überparteilich sein, konnte aber die tiefen parteipolitischen Gräben nie wirklich überwinden. Bei den Landtagswahlen 1925 kandidierte eine kroatische christlichsoziale Partei, die den Einzug in den Burgenländischen Landtag allerdings knapp verfehlte. In weiterer Folge wurde diese Partei in die Christlichsoziale Partei integriert und kandidierte nicht mehr. Stattdessen wurden den Kroaten informell zwei Mandate für Angehörige der Volksgruppe auf der christlichsozialen Liste zugesichert. Im Landtag waren daraufhin (und auch in der 2. Republik) jeweils mehrere Kroaten als Abgeordnete vertreten, und zwar sowohl in der christlichsozialen (später ÖVP) als auch in der sozialdemokratischen Fraktion.

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Ständestaat und Drittes Reich

Die weltanschauliche und politische Spaltung der kroatischsprachigen Bevölkerung wurde 1934 durch die Integration der kroatischen Vereine in die Organisationen des Ständestaates noch vertieft. 1937 wurde ein Schulinspektor für das kroatische Schulwesen ernannt und ein für die Minderheit sehr günstiges Minderheitenschulgesetz, das muttersprachlichen Unterricht gestaffelt nach Bevölkerungsanteilen vorsah, erlassen. Seine Umsetzung kam jedoch durch den Anschluß an das Deutsche Reich im März 1938 nicht mehr zustande.

Die Struktur der NSDAP im Burgenland war gekennzeichnet durch ihren hohen Anteil an kroatisch- und ungarischsprachigen Mitglieder. Viele Arbeitslose und enttäuschte Sozialdemokraten strömten schon vor 1938 in die illegale NSDAP, der es gelang, die Hoffnungen auf wirtschaftliche Besserstellung im Deutschen Reich hervorzustreichen, dabei aber die Gefahren des deutschen Nationalismus für die Minderheiten als unwichtig darzustellen. Die Nationalsozialisten hatten kroatische Vertrauensleute in vielen Gemeinden und Organisationen der Volksgruppe. Die NSDAP veranstaltete im Burgenland sogar Parteikundgebungen in kroatischer und ungarischer Sprache. Parteitreue Kroaten wurden mit Führungspositionen im Kroatischen Kulturverein betraut. Aus außenpolitischem Kalkül wurden kroatische Politiker von Verfolgungsmaßnahmen vorerst ausgenommen.

Als Parteistellen in Berlin 1941 die Umsiedlung der Burgenlandkroaten ins Gespräch brachten, wurde dies von burgenländischen Parteistellen vereitelt. Erst 1942 wurde die kroatische Zeitung eingestellt. Unnachsichtig zeigte sich die NSDAP allerdings in der Schulfrage. Die konfessionellen Schulen wurden in staatliche umgewandelt, die kroatische Sprache innerhalb weniger Monate fast völlig zurückgedrängt, und in den Dörfern wurden Eindeutschungskindergärten errichtet. Kroatische Lehrer und Priester, die sich dagegen auflehnten, wurden entweder strafversetzt oder kamen, wie Pfarrer Matthias Semeliker, ins KZ Dachau.

Im Gegensatz zum slowenischen Partisanenkampf in Kärnten gab es unter der kroatischen Volksgruppe keinen organisierten Widerstand. Nur einzelne Kroaten schlossen sich aufgrund ihrer antifaschistischen Überzeugung den Titopartisanen in Jugoslawien an.

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Die Zweite Republik

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Dr. Lorenz Karall, ein Kroate aus Veliki Borištof/Großwarasdorf, zum ersten frei gewählten Landeshauptmann des Burgenlandes bestellt. Noch im Jahr 1945 nahmen die Burgenlandkroaten Kontakt mit der Regierung Tito in Jugoslawien auf und erreichten die Freilassung ihrer kroatischen Landsleute aus der jugoslawischen Kriegsgefangenschaft.

Durch diese Aktion geriet der Kroatische Kulturverein bald in politische Schwierigkeiten, denn 1947 stellte Jugoslawien bei den Friedensverhandlungen die Forderung nach einem Bevölkerungsaustausch oder einer Kulturautonomie für die Volksgruppe. Der Bevölkerungsaustausch wurde von den Burgenlandkroaten entschieden abgelehnt. Nach dem Bruch Titos mit Stalin im Jahr 1949 wurden diese Vorschläge Jugoslawiens auch von der Sowjetunion nicht mehr unterstützt. Die Rechte der kroatischen Minderheit im Burgenland wurden jedoch - ebenso wie die Rechte der Kärntner Slowenen - im Artikel 7 des Staatsvertrages von 1955 fixiert. Sie sind allerdings bis heute nicht erfüllt.

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Wiederaufbau des Burgenlandes

Der Wiederaufbau des Burgenlandes nach dem Krieg verzögerte sich durch die Zugehörigkeit zur sowjetischen Besatzungszone und später auch aufgrund der Lage des Bundeslandes unmittelbar am "Eisernen Vorhang". Dies hatte zur Folge, daß die Sozialstruktur der kroatischen Dörfer längere Zeit unverändert blieb. Erst Mitte der sechziger Jahre, mit der steigenden Industrialisierung in Wien, im Wiener Becken und in Graz, mit verbesserten Verkehrsbedingungen, tendierten viele Kroaten zur Industriearbeit. Ca. 25% der Beschäftigten des Burgenlandes pendelten nun zur Arbeit in die Ballungszentren. Sie brachen mit den dörflichen Traditionen und lösten sich vom Einfluß der traditionellen Autoritäten. Dies führte zur Krise der alten kroatischen Großfamilie, der kroatischen Dorfgemeinschaft und zu einer Individualisierung der Menschen. Die Zahl der Mischehen stieg an, der zweisprachige Unterricht ging zurück. Während die Gemeinden des nördlichen Burgenlandes ihre Gesamtbevölkerung halten konnten, aber höhere Assimilationsraten hinnehmen mußten, verzeichneten die meisten Gemeinden des mittleren Burgenlandes und einige Gemeinden im Landessüden zwar kaum Assimilation, dafür aber dramatische Abwanderungsverluste.

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Parteipolitische Konfrontation nach 1955

Die politische Spaltung der kroatischsprachigen Bevölkerung konnte auch in der Zweiten Republik lange Zeit nicht überwunden werden. Die kroatischen Organisationen wurden zunehmend in die ÖVP integriert und beanspruchten die Vertretung der Volksgruppe, wogegen besonders das sozialdemokratisch dominierte "Präsidium der Bürgermeister und Vizebürgermeister der kroatischen und gemischtsprachigen Gemeinden des Burgenlandes" heftigst protestierte.

Der muttersprachliche Unterricht in den Volksschulen wurde durch das bis 1995 gültige Minderheitenschulgesetz von 1937 wieder eingeführt. Obwohl die Bestimmungen des Staatsvertrages für die Kroaten des Burgenlandes hinsichtlich höherer Schulen und zweisprachiger Aufschriften nie erfüllt wurden, galt die kroatische Sprachgruppe in den sechziger und siebziger Jahren als die "stille Minderheit". Das Wahlverhalten der Bevölkerung in den zweisprachigen Gemeinden weicht nur geringfügig vom burgenländischen Durchschnitt ab.

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Abwanderung und Bedeutung Wiens für die Kroaten des Burgenlandes

Erschwerend für die allgemeine sprachliche und kulturelle Situation der kroatischen Volksgruppe wirkte sich die wirtschaftliche Schwäche des Burgenlandes aus. Zahlreiche Burgenländer sind nach wie vor gezwungen, Arbeitsplätze außerhalb ihres Bundeslandes anzunehmen. Für einen großen Teil von ihnen wird die Heimatgemeinde zum Wochenendwohnsitz.

Diese Pendler werden von den traditionellen kulturellen und sprachlichen Aktivitäten im Dorf nicht erfaßt und zunehmend der ursprünglichen Kultur und Sprache entfremdet. Das tägliche oder wöchentliche Pendeln ermöglicht es nicht, sich aktiv an der Kulturarbeit im Dorf zu beteiligen. Um einigermaßen Ersatz zu bieten, hatten Burgenlandkroaten bereits 1934 den Burgenländisch-Kroatischen Kulturverein in Wien gegründet. Ziel dieser Organisation war neben der kulturellen auch die soziale Betreuung der kroatischen Arbeiterschaft aus dem Burgenland.

In der Zweiten Republik steigt die Bedeutung der Bundeshauptstadt Wien als Arbeits- und Ausbildungsort für die kroatische Volksgruppe weiter an. 1948 gründeten Studenten in Wien den Kroatischen Akademikerklub. Derzeit lebt ein Viertel bis ein Drittel der Volksgruppe zumindest vorübergehend in der Bundeshauptstadt. Seit 1993 versucht das "Burgenländisch-kroatische Zentrum" in Wien dieser Entwicklung gerecht zu werden und bietet umfassende Veranstaltungen und Programme im Bereich der Kultur, Erwachsenenbildung, Unterhaltung, Sport und Religion an. Für Kinder werden eine zweisprachige Kindergruppe und verschiedene außerschulische Sprachkurse angeboten. Ein reguläres zweisprachiges Schulwesen in Wien konnte bisher nicht organisiert werden.

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Folklore als Identifikationspunkt

Durch rege Kontakte mit Kroatien hatten die Burgenlandkroaten bereits 1922 die Tamburica, das kroatische Nationalinstrument, kennengelernt. In den folgenden Jahrzehnten entstanden viele bis heute aktive Tamburicagruppen und Chöre. Die Tamburica wurde im Burgenland zu einem Symbol der kroatischen Sprachgruppe schlechthin. Heute hat die Tamburica große Bedeutung im Bereich der kroatischen Jugendarbeit. Das überregionale Folkloreensemble "Kolo Slavuj" leistete und leistet einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und choreographierten Darstellung von überliefertem Volksgut und beeinflußte zahlreiche Folkloregruppen im gesamten Burgenland. Neben der in den traditionellen Gruppen gepflegten Volksmusik und dem Volkstanz spielen zahlreiche Laienspielgruppen eine wichtige Rolle im Kulturleben der Volksgruppe.

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Kulturelle und sprachliche Renaissance

Zu Beginn der achtziger Jahre kam es zu einer kleinen Renaissance der kroatischen Volksgruppe, die vor allem durch eine neue Generation von Aktivisten eingeleitet wurde. Vorbei an den starren, parteipolitischen Strukturen der etablierten Verbände entwickelten sich neue Kulturinitiativen. Die jährlichen "Tage der kroatischen Jugend", organisiert vom Kroatischen Akademikerklub, wurden zum Treff- und Kristallisationspunkt dieser neuen Bewegung. In Großwarasdorf/Veliki Borištof belebte die "KUGA-Kulturna Zadruga" die Jugendkulturszene und wurde innerhalb weniger Jahre zu einem Zentrum eines kritischen, modernen, nicht volkstümelnden Minderheitenverständnisses.

Aus dem Umkreis dieser neuen, bewußten und kritischen Generation der Volksgruppe sind mehrere kroatischsprachige Rock- und Popgruppen, ein Verlag und viele Kulturinitiativen hervorgegangen. Die Erneuerungsbewegung lieferte wichtige Impulse für die etablierte Wochenzeitung "Hrvatske novine", den Kroatischen Akademikerklub in Wien und zahlreiche lokale Vereine der Volksgruppe. Wenn heute beim jährlich stattfindenden "Dan mladine/Tage der kroatischen Jugend" Tracht und Punk, Avantgarde und Volkskunst nebeneinander stehen, so ist dies ein Ergebnis dieser neuen Initiative.

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Volksgruppengesetz 1976 – Kroatische Amtssprache

Der Artikel 7 des Staatsvertrages von Wien hatte der kroatischen Bevölkerung des Burgenlandes zumindest theoretisch gut abgesicherte Rechtspositionen garantiert. Praktisch erlangten diese Minderheitenrechte lange Zeit kaum Bedeutung. Erst im Jahr 1976 wurde das Volksgruppengesetz als Ausführungsgesetz zum Staatsvertrag erlassen. Die kroatischen Organisationen standen dem Gesetz ablehnend gegenüber, da es eine Beschneidung ihrer im Artikel 7 des Staatsvertrages garantierten Rechte bedeutete.

Dieses Gesetz regelte insbesondere die Fragen der topographischen Bezeichnungen, der Amtssprache und der Volksgruppenförderung. Aufgrund fehlender Durchführungsbestimmungen wurde die kroatische Amtssprache im Burgenland bis 1987 vollständig blockiert. Erst nach Verfassungsbeschwerden einzelner Privatpersonen wurde im Dezember 1987 ein Teil des Volksgruppengesetzes aufgehoben und Burgenlandkroatisch zur zweiten Amtssprache in 6 von 7 Bezirken des Burgenlandes erklärt. Den Volksgruppenangehörigen wird nunmehr auf Verlangen das Recht auf Verwendung der Muttersprache als zusätzliche Amtssprache eingeräumt. Es sind allerdings keinerlei Maßnahmen zur Förderung der allgemeinen Verwendung der kroatischen Amtssprache vorgesehen. Die Träger der Behörden und Dienststellen haben lediglich sicherzustellen, daß Kroatisch im Verkehr mit der Behörde gebraucht werden kann.

Das Volksgruppengesetz geht hier von einem nicht mehr zeit- und zweckgemäßem Verständnis aus den Anfängen der volksgruppenrechtlichen Bestimmungen aus, nach dem Amtssprachenregelungen lediglich vor Benachteiligungen aufgrund mangelnder Kenntnisse der Staatssprache schützen sollen. Zeitgemäßere Ansätze, die von der Notwendigkeit einer funktionalen Zweisprachigkeit als Voraussetzung für den Erhalt der Mehrsprachigkeit einer Region ausgehen, werden nicht berücksichtigt. Außerhalb des behördlichen Verkehrs, insbesondere im Rahmen der Privatwirtschaftsverwaltung (z.B. Schalterdienst bei Post und Bundesbahn) besteht kein Recht auf die Verwendung der Volksgruppensprache. Amtliche Vordrucke (Formulare) sind grundsätzlich in deutscher Sprache zu halten, Volksgruppenangehörige können lediglich eine zusätzliche Übersetzung beantragen.

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Zweisprachige Aufschriften in der Öffentlichkeit

Der Staatsvertrag von Wien 1955 sichert der kroatischen Minderheit im Burgenland zweisprachige topographische Aufschriften in allen gemischtsprachigen Gemeinden zu. Das Volksgruppengesetz 1976 schränkt das Recht auf zweisprachige Aufschriften und Ortsbezeichnungen auf "Gebietsteile" ein, in denen mindestens 25% der Bevölkerung der Volksgruppe angehören. Die praktische Umsetzung ist darüber hinaus an eine Verordnung der Bundesregierung gebunden.

Eine entsprechende Verordnung wurde erst im Sommer 2000 nach jahrelangen Protestaktionen und Kampagnen der kroatischen Organisationen für 47 Gemeinden beziehungsweise Ortsteile mit mehr als 25% kroatischsprachiger Bevölkerung erlassen. Kurz danach wurden in diesen Orten zweisprachige Ortsschilde aufgestellt.

In einigen Gemeinden haben private Vereine, meistens die lokalen "Verschönerungsvereine", Grußtafeln an den Ortseinfahrten aufgestellt, auf denen die Gäste zweisprachig begrüßt werden. Die katholische Kirche weist in einigen Gemeinden mit zweisprachigen Hinweistafeln auf ihre Gottesdienste hin. Außerdem gibt es in einigen Gemeinden zweisprachige Aufschriften auf Gemeinde- und Vereinseinrichtungen (Gemeindeamt / Općinski stan, Raiffeisenkassa / Raiffeisenblagajna, Volksschule / Osnovna škola, Feuerwehrhaus / Ognjogasni stan, Lagerhaus / Poljoprivredno skladišće, usw.) sowie zweisprachige Stra'enbezeichnungen.

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Kroatischsprachige Medien

Im Bereich der Printmedien verfügt die kroatische Volksgruppe über zwei Wochenzeitungen. Als wichtigstes Medium ist hier die "Hrvatske novine" (Kroatische Zeitung) zu nennen, die seit 1910 erscheint, und die versucht, sämtliche Lebensbereiche abzudecken. Die Diözese Eisenstadt gibt die zweite kroatische Wochenzeitung heraus, den "Crikveni glasnik" (Kirchenbote).

Sechsmal jährlich erscheint der "PUT" (Weg), die Zeitschrift der Burgenlandkroaten in Wien, die auch im Burgenland gelesen wird. Die Zeitschrift des Kroatischen Akademikerklubs "NOVI GLAS" (Neue Stimme) erscheint viermal jährlich. Darüber hinaus produzieren weitere Vereine mehr oder weniger regelmäßig kroatische bzw. zweisprachige Vereinszeitungen.

Ein Aktionskomitee erreichte 1978 durch eine politische Kampagne die Einführung kroatischer Radiosendungen in Ö2 mit einer derzeitigen Sendezeit von 300 Minuten pro Woche. Seit 1989 gibt es auch eine wöchentlich ausgestrahlte halbstündige Fernsehsendung im Regionalprogramm.

Der Verein MORA (Offenes Minderheitenradio) sendet im Rahmen des Privatradios "Antenne4" seit 1999 kroatische und zweisprachige Nachrichten und eigene Minderheitensendungen. Diese Sendungen müssen ein Jahr später wegen der Streichung von öffentlichen Förderungen wieder eingestellt werden.

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Zweisprachigkeit im Bildungswesen

Verbesserungen auf dem Schulsektor konnten durch die Einrichtung von Schulversuchen in zwei Gymnasien mit Kroatisch als Wahlpflichtfach 1989 und der Errichtung des Zweisprachigen Bundesgymnasiums Oberwart/Borta/Felsöör 1992/93 erreicht werden.

Ebenfalls im Jahr 1989 wurde im Burgenland ein Landesgesetz beschlossen, das für bestimmte als zweisprachig definierte Gemeinden ein Mindestmaß von sechs Wochenstunden zweisprachiger Betreuung im Kindergarten vorschreibt. Für manche Gemeinden bedeutete dieses Gesetz den ersten Schritt zur Zweisprachigkeit, in zahlreichen Gemeinden wurde allerdings aufgrund der den Gemeinden zukommenden Kompetenzen im Kindergartenbereich auch vor der gesetzlichen Regelung durchgehend kroatisch bzw. zweisprachig betreut.

Das zweisprachige Schulwesen wurde im Jahr 1995 grundlegend reformiert. Erstmals eingeführt wurde die Möglichkeit, sich vom zweisprachigen Unterricht abzumelden. Zweisprachiger Unterricht an Volksschulen ist in allen als zweisprachig definierten Gemeinden zu erteilen. Der Umfang des kroatischen Anteiles am Unterricht wurde allerdings nicht festgelegt, sodaß es in der Praxis zu unterschiedlichen Auslegungen kommt. Schwierigkeiten im zweisprachigen Unterricht bringt auch die unterschiedliche Sprachkompetenz der Kinder mit sich. Defizite, die die Kinder aus dem Elternhaus oder Kindergarten mitbringen, werden nicht mehr aufgeholt.

Die bis 1995 als Schulversuch geführte zweisprachige Hauptschule in Veliki Borištof/Großwarasdorf erhielt eine gesetzliche Grundlage, ebenso das kurz zuvor eingerichtete zweisprachige Gymnasium in Oberwart/Borta/Felsöör. An mehreren Mittelschulen wird Kroatisch als Freifach oder Wahlpflichtfach angeboten. Mehrere Vereine sind im Bereich der Erwachsenenbildung tätig und bieten sowohl Sprachkurse als auch Kurse verschiedenen Inhaltes in kroatischer Sprache an.

In Wien organisiert der Burgenländisch-Kroatische Kulturverein Sprachkurse für alle Altersstufen. Zum Selbststudium für Erwachsene eignet sich der 1997 erschienene Sprachkurs "Gradišćanskohrvatski glasi", der mit drei Büchern und zwei CD-s einen ersten Einstieg in das Burgenlandkroatische ermöglicht.

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Jüngere politische Entwicklungen

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges kam es ab 1990 zur Intensivierung der Zusammenarbeit der Burgenlandkroaten in Österreich mit jenen Teilen der Volksgruppe, die nach dem Anschluß des Burgenlandes an Österreich im Jahr 1921 bei Ungarn bzw. der Slowakei verblieben waren. Nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union hat diese neue Zusammenarbeit etwas von ihrer anfänglichen Dynamik verloren. Die Kontakte und der kulturelle Austausch mit der Republik Kroatien stagnierten aufgrund des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.

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Beirat für die kroatische Volksgruppe

Durch die erstmalige Beschickung des Beirates für die kroatische Volksgruppe im Jahr 1993 erfolgte eine Intensivierung der kulturellen und sprachpolitischen Aktivitäten der kroatischen Volksgruppe, zumal nunmehr auch weit mehr Ressourcen für diese Bereiche zur Verfügung stehen. Die Bundesregierung hat Vertreter der kroatischen Vereine und Organisationen, der Kommunal- und Landespolitik sowie der katholischen Kirche in den Beirat berufen.

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Staatszielbestimmung "Minderheitenschutz"

Der Nationalrat beschließt im Frühsommer 2000 einstimmig eine programmatische Staatszielbestimmung zum Minderheitenschutz in Artikel 8 der Bundesverfassung: "Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zu ihrer gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, die in den autochthonen Volksgruppen zum Ausdruck kommt. Sprache und Kultur, Bestand und Erhaltung dieser Volksgruppen sind zu achten, zu sichern und zu fördern." Diese Staatszielbestimmung schafft keine subjektiven Rechte für die Minderheiten, soll aber der gesamten Verwaltung als Richtlinie für ihre Tätigkeit dienen.

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Weiterführende Literatur

Baumgartner, Gerhard: 6 x Österreich. Geschichte und aktuelle Situation der Volksgruppen. Klagenfurt/Celovec 1995 (Drava)

Breu, Josef: Die Kroatensiedlungen im Burgenland und in den anschließenden Gebieten. Wien 1970 (Franz Deuticke)

Geosits, Stefan (Hrsg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeiten. Wien 1986 (Edition Tusch)

Holzer, Werner, Pröll, Ulrike (Hrsg.): Mit Sprachen leben. Praxis der Mehrsprachigkeit. Klagenfurt/Celovec 1995 (Drava)

Holzer, Werner, Münz, Rainer (Hrsg.): Trendwende? Sprache und Ethnizität im Burgenland. Wien 1993 (Passagen Verlag)

Hrvatski akademski klub/Franz Palkovits (Hrsg.): Symposion Croaticon – Gradišćanski Hrvati. Beč/Wien 1974 (Braumüller)

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