Die Sprache der Burgenlandkroaten

Das Burgenlandkroatische ist eine indoeuropäische Sprache aus der Familie der slawischen Sprachen. Es ist eine regionale Sprachvariante des Kroatischen und gehört damit zu den südslawischen Sprachen. Heute verwenden etwa 50.000 bis 70.000 Menschen im heutigen Burgenland und den angrenzenden Gebieten (Westungarn, Slowakei und Wien) Burgenlandkroatisch als Umgangssprache. Darüber hinaus gibt es im östlichen Niederösterreich und in Südmähren noch einige Familien, in denen sich das Burgenlandkroatische erhalten hat.

Nach der Ansiedlung im 16. Jahrhundert haben die BurgenlandkroatInnen eine eigenständige geschichtliche Entwicklung durchlebt. So konnte sich auch das Burgenlandkroatische als eigene regionale Schriftsprache neben der kroatischen Standardsprache in Kroatien entwicklen. Trotzdem bereitet eine Verständigung kaum Schwierigkeiten. Auf Basis des Burgenlandkroatischen sind auch alle anderen südslawischen Sprachen (Serbisch, Slowenisch, Makedonisch, Bulgarisch), aber auch Tschechisch und Slowakisch leicht zugänglich.

Das Burgenlandkroatische basiert vor allem auf dem sogenannten "Čakavischen", einem der drei Hauptdialekte des Kroatischen. Daneben gibt es aber auch im Burgenlandkroatischen Elemente der beiden anderen Hauptdialekte "Kajkavisch" und "Štokavisch".

Das Burgenlandkroatische ist geprägt von vielen archaischen Ausdrücken und Sprachformen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden zahlreiche Lehnwörter und Elemente der Syntax aus den benachbarten Sprachen Ungarisch, Deutsch und Slowakisch ins Burgenlandkroatische aufgenommen.

Typisch für die kroatische Sprache im Burgenland ist die Dominanz der lokalen Dialekte im alltäglichen Sprachgebrauch. Die vereinheitlichte Schriftform des Burgenlandkroatischen wird vor allem in den Medien und offiziellen Texten verwendet, weniger im mündlichen Sprachgebrauch.

Das Burgenlandkroatische ist in sechs Bezirken des Burgenlandes (30 Gemeinden) und vor den übergeordneten Behörden in Wien und Graz als offizielle Amtssprache der Republik Österreich zugelassen. Es wird in den Volksschulen der zweisprachigen Gemeinden des Burgenlandes und Westungarns, an zweisprachigen Hauptschulen und Polytechnischen Lehrgängen und in einigen Mittelschulen unterrichtet und an der Universität Wien und der Pädagogischen Akademie in Eisenstadt gelehrt.

Burgenlandkroatisch ist eine der offiziellen Liturgiesprachen der katholischen Kirche in der Diözese Eisenstadt.

Die schriftliche Tradition des Burgenlandkroatischen geht auf den Beginn des 17. Jahrhunderts zurück. Das moderne Burgenlandkroatisch wird durch das Deutsch-Burgenlandkroatische Wörterbuch aus dem Jahr 1982 kodifiziert. Einen ersten Einstieg ins Burgenlandkroatische ermöglicht der Sprachkurs "Gradišćanskohrvatski glasi". Dieser Kurs besteht aus drei Bänden und zwei CD-s mit Hör- und Lernbeispielen zu den einzelnen Lektionen und einem Überblick über Literatur und Musik der Burgenlandkroaten.

Das Burgenlandkroatische verwendet die lateinische Schrift. Darüber hinaus gibt es vier zusätzliche Buchstaben:

"č" für den Lautwert "tsch" wie in "tschechisch",

"ć", ein etwas weicher ausgesprochenes "c", etwa "tj",

"ž" für den Lautwert "sch" wie im französischen "Journal"

"š" für den Lautwert "sch" wie im Wort "Schule"

Dafür verzichtet das Burgenlandkroatische auf die Buchstaben q, x, y, w und die Umlaute ä, ö, und ü.