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There is no quality without equality - Wiener Landtagsabgeordnete diskutieren Integration versus Assimilation

Von: News-Service (eigener Bericht)
Datum: 05.05.00
Uhrzeit: 02:42:00
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News

„There is no quality without equality“. Unter dieses Motto könnte man die Ergebnisse der Podiumsdiskussion zum Thema “Der feine Unterschied: Zwischen Integration und Assimilation“ am Mitwoch im Burgenländisch-kroatischen Zentrum in Wien zusammenfassen. Die Integrationssprecher und Landtagsabgeordneten von SPÖ (Kurt Stürzenbecher), ÖVP (Franz Karl), den Grünen (Maria Vassilakou), und LiF (Marco Smoliner) diskutierten die durchaus unterschiedlichen Integrationsmodelle und -konzepte ihrer Parteien.

Mag. Karl (ÖVP) sprach sich dafür aus, daß in Österreich lebende und arbeitende Migranten das gleiche Wahlrecht wie EU-Bürger erhalten sollten. Aber „sie sollten schon deutsch können“.

Maria Vassilakou erläuterte den weit gefassten Integrationsbegriff der Grünen, und strich hervor, daß es in einer modernen weltoffenen Gesellschaft, in der unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen zusammenleben, die Aufgabe der politisch Verantwortlichen sei, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die unterschiedlichen Gruppen nach ihren Vorstellungen leben können. Dazu gehöre selbstverständlich auch: Gleiche Rechte - gleiche Pflichten.

Für Kurt Stürzenbecher (SPÖ) ist Integration ein beidseitiger Prozess des miteinander Lebens, auf einander Zugehens, edes Eingliederns in die Gesellschaft und ein Anerkennen gemeinsamer Werte. In der späteren Diskussion meinte er, daß sich die Opposition immer viel leichter tue als die verantwortliche (Stadt)Regierung.

Marco Smoliner vom Liberalen Forum bemängelte, daß die angebotenen Sprachkurse in Wien die einzigen Maßnahmen zur Integration seien, was bei weitem nicht genug sei, und nur den engen Integrationsbegriff der Stadtverwaltung/regierung wiederspiegle. Er betonte, daß Migranten vor allem soziale Probleme hätten und forderte Chancengleichheit und Mitbestimmung.

Andrea Eraslan-Weninger vom Wiener Integrationshaus berichtete aus der Praxis, wies auf die Problematik unterschiedlicher sozioreligiöser Hintergründe hin, und forderte die Herstellung von Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Migranten (Stichworte: kommunales Wahlrecht, Zugang zu sozialem Wohnbau, Antidiskriminierungsgesetz etc.).

Der Sozialwissenschafter Bernhard Perchinig berichtete über die Migrantenpolitik anderer europäischer Städte (Amsterdam, Birmingham, Hamburg), denen unterschiedliche Konzepte zugrundeliegen. Während in Birmingham z.B. im öffentlichen Dienst ethnische Gruppen bewußt bevorzugt eingestellt werde, und Amsterdam ein ausgeprägtes multikulturelles Konzept hat, das auf sozialen Ausgleich bedacht ist, wird in Hamburg lediglich Politik für Migranten gemacht, ohne daß diese selbst direkt partizipieren können.

Die Diskussionsleiterin Helena Verdel bedauerte, daß in der Praxis das Wort Integration nur allzuoft dafür mißbraucht werde um zu assimilieren.


Stand: 05. Mai 2000