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Minderheitenexperten: "Digitalisierung des Fernsehens bringt große Probleme für Programme in Minderheitensprachen"

Von: News-Service (eigener Bericht)
Datum: 28.06.00
Uhrzeit: 06:37:20
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News

Programmanbieter, die Fernsehen in Minderheitensprachen anbieten, erwarten große Probleme durch die bevorstehende Digitalisierung des Fernsehens. Es sei zwar unvermeidlich, dass auch das Minderheitenfernsehen in diese neue Technologie einsteige, derzeit sei aber weder das genaue Wie und schon gar nicht die Kostenfrage ausdiskutiert. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Konferenz zum Thema „Digitalfernsehen und Minderheitensprachen“ in Dublin. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Europäischen Büro für weniger verbreitete Sprachen.

Wie die Agentur „Eurolang“ berichtet, erwarten Medienexperten durch die Digitalisierung des Fernsehens eine tiefgreifende Änderung der Zusehergewohnheiten. Digitalfernsehen ermöglicht es, dass sich jeder Konsument sein eigenes, individuelles TV-Programm aus einer Vielzahl von Spartenkanälen zusammenstellt, Filme und andere Sendungen zu individuell beliebigen Zeiten abruft oder bei Live-Ereignissen aus verschiedensten Kameraposition vor dem eigenen Fernsehgerät per Fernbedienung die gewünschte Perspektive auswählt.

Bereits jetzt gebe es in Großbritannien vier Million „Digitalseher“. Die neue Entwicklung begünstige vor allem Nischenprogramme für spezielle Interessen, vom Blumenfreund bis zur Übertragung von Parlamentsdebatten. Die internationalen Medienkonzerne seien in der Lage, mit enormen Finanzmitteln ansprechende Spezialprogramme zu gestalten.

Angebote in Minderheitensprachen seien hingegen keine konkurrenzfähigen Nischen per se. Minderheitenangehörige hätten annähernd die gleichen vielschichtigen Spezialinteressen wie die Mehrheitsbevölkerung und würden sich daher im allgemeinen Angebot bedienen. Um konkurrenzfähig zu sein, müßten daher qualitative Programme für die unterschiedlichsten Interessensgruppen angeboten werden, nur eben für eine viel kleiner Gruppe in einer Minderheitensprache. Und das sei nur durch finanzielle Absicherung durch die öffentliche Hand möglich.


Stand: 28. Juni 2000