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Der Regimewechsel in Kroatien erleichtert auch Heimkehr geflohener serbischer Minderheit

Von: Oberösterreichische Nachrichten (Lajla Veselica)
Datum: 03.07.00
Uhrzeit: 07:36:10
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Einen Monat, nachdem Kroatien im Juni 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, war in den Gebieten mit einer starken serbischen Bevölkerungsminderheit (Dalmatinisches Hinterland, „Krajina“) der Bürgerkrieg ausgebrochen. Tausende Kroaten wurden zur Flucht gezwungen. Im August 1995 startete die kroatische Armee eine Offensive, um das von serbischen Truppen besetzte Gebiet zurückzuerobern. Die serbische Bevölkerung musste fliehen.

Rund 280.000 Serben flohen nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) während des Bürgerkriegs aus Kroatien nach Bosnien, Jugoslawien oder in andere Länder. Allein in diesem Jahr kehrten mehr als 6000 von ihnen zurück. Zusammen mit den 36.000 Rückkehrern der vergangenen Jahre und den 31.700 Serben, die in Ostkroatien Zuflucht gesucht hatten, sind inzwischen 73.000 serbische Flüchtlinge zurück in ihre kroatischen Heimat.

Dass die Zahl der Heimkehrer in diesem Jahr besonders groß ist, liegt an der neuen Regierung in Kroatien. Bis zu seinem Tod im Dezember hatte Präsident Franjo Tudjman durch allerlei bürokratische Winkelzüge die Rückkehr der Serben verhindert. Nach der Wahl des Europa-freundlichen Stipe Mesic im Februar schlug die Regierung einen neuen Weg ein: Bereits im März vereinbarten der neue kroatische Außenminister Tonino Picula und der bosnisch-serbische Ministerpräsident Milorad Dodik, innerhalb von drei Monaten jeweils 2000 Vertriebenen die Heimkehr zu ermöglichen. (...)

Der politische Wille ist da, doch die Aussichten in der neuen alten Heimat sind zur Zeit nicht rosig. In den kroatischen Heimkehrergebieten liegt die Arbeitslosigkeit bei 90 Prozent. "Und dabei es ist völlig egal, ob man Kroate oder Serbe ist," sagt UNHCR-Sprecher Andrej Mahečič. Noch seien Fragen wie der Wiederaufbau, die Rückgabe von Besitztümern und ein neues Eigentumsrecht nicht endgültig geklärt. Die kroatische Regierung hat aber bereits damit begonnen, Gesetze zu ändern, die die serbische Minderheit bisher benachteiligt haben.

Unter Tudjman hatten nur kroatische Bürger die Möglichkeit, ihre Häuser wieder aufzubauen. Jetzt können alle einen Antrag stellen, die 1991 als Einwohner in Kroatien registriert waren.


Stand: 03. Juli 2000