[ Reaktion | Vorwärts | Zurück | Nach oben ]

AUS für Burgenlands mehrsprachiges Lokalradio auf "Antenne4"mit Ende Juli?

Von: Presseaussendung MORA/News-Sevice  
Datum: 10.07.00
Uhrzeit: 10:16:51
Name des Remote-Computers: 212.186.54.87

News

PRESSEAUSSENDUNG

Utl.:Im offiziellen Budget 2000 der neuen Regierung kein Budgetansatz für Volksgruppenradios! Trotz ständiger Anfragen bei BKA ist Subventionshöhe 2000 nicht bekannt.

Der Verein MORA - Mehrsprachiges Offenes Radio (90% - Inhaber der „Antenne4 BetriebsGesmbH&COKG“) musste auf seiner gestrigen (Samstag, 8.7.2000) General-versammlung die Notbremse ziehen. Falls binnen 14 Tagen die Höhe der staatlichen Subvention für die Jahre 2000 und 2001 vom Bundeskanzleramt nicht bekannt gegeben wird und diese Summe unter der des Vorjahres liegen sollte, ist für die burgenländischen Volksgruppen auf ihrem Lokalradio „Antenne4“ Sendeschluss. Bereits am 2. Juni. d.J. hatten sich die im Verein MORA zusammengeschlossenen burgenländischen Volksgruppenvereine der Roma, Ungarn und Kroaten an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gewandt und um Auskunft über die geplante Förderung der neuen Regierung für die Volksgruppenradios (Antenne4 im Burgenland und Agora/Korotan in Kärnten) ersucht. Bis jetzt kam keine Antwort. Waren in den Jahren 1998 und 1999 unter der Regierungsvorgängerin noch jährlich insgesamt 15.000.000,- öS für die beiden Lokalradios der Volksgruppen ausbezahlt worden (MORA bekam jeweils ca. 5.000.000,- öS), so ist im Budget 2000 der neuen Regierung für die Radios nichts mehr vorgesehen. Noch im Herbst des Vorjahres hatte der Verein MORA beim damaligen Bundeskanzler Klima wegen einer Erhöhung des Budgets für das Jahr 2000 vorgesprochen, da schon damals abzusehen war, dass die 15.000.000,- öS für zwei Volksgruppenradios (Antenne 4 sendet z. B. in vier Sprachen – roman, ungarisch, kroatisch und deutsch, AGORA und KOROTAN immerhin zweisprachig slowenisch/deutsch) nicht ausreichend sind.

Im Vertrauen auf die nachhaltige Förderung der Volksgruppenlokalradios durch die Republik Österreich setzte MORA den anspruchsvollen, vergleichsweise mit geringen Kosten verbundenen Radiobetrieb auf „Antenne4“ fort. Bis zur endgültigen Beschlussfassung des Budgets 2000 im Mai arbeitete man nach dem provisorischen Budget (monatlich 1/12 des Vorjahrsbudgets minus 20%). So wurden bisher im ersten Halbjahr auch schon 2,400.000,- öS an MORA vom Bundeskanzleramt für den mehrsprachigen Radiobetrieb überwiesen, die für die mehrsprachigen Sendungen und Sendeelemente auf „Antenne4“ auch ausgegeben wurden. Nun steht man jedoch vor dem Aus! Die Subventionsmittel sind verbraucht, die Einnahmen aus der Werbung sind teils wegen der noch – technisch bedingten - geringen Reichweite der „Antenne4“ vernachlässigbar, aber wegen des mehrsprachigen Radiobetriebes und den Minderheiten als Zielgruppe auch in Hinkunft nicht in größerem Ausmaß zu erwarten (Anmerkung: „Burgenland 1“, das rein kommerziell ausgerichtete und einsprachige Regionalradio verzeichnet trotz größerer Reichweite Millionenverluste!).

Sollten die Budgetmittel für MORA unter den erwarteten 5.000.000,- öS liegen, so ist eine Weiterführung des mehrsprachigen Radiobetriebes undenkbar. Der Schaden für die burgenländischen Volksgruppen wegen der ausbleibenden Verbreitung ihrer Sprachen in einem modernen auf die Jugend abgestimmten Radiosender liegt auf der Hand. Ebenso der für die Mitarbeiter: 9 Personen verlieren ihren Job, 20 freie MitarbeiterInnen die Möglichkeit, sich in vier Sprachen journalistisch zu äußern und Angehörigen dreier Volksgruppen wird die Information in ihren Sprachen entzogen .

Doch auch die Republik Österreich wird Schaden erleiden. Trotz lobenswerter Absichtserklärungen (z.B. Staatszielbestimmung) die Anliegen der in Österreich lebenden autochthonen Volksgruppen zu fördern, stellt die Republik nicht auf Dauer sicher, dass die Versorgung der autochthonen österreichischen Volksgruppen mit Information und Unterhaltung in der eigenen Sprache ausreichend gesichert ist. Eine Sendezeit von 41 min täglich in kroatischer Sprache im Radio Burgenland des ORF, von 30 Minuten wöchentlich für die Burgenländischen Ungarn und keine Berücksichtigung der Roma, ist im europäischen Vergleich beschämend. Die Vergabe von Lokalradiolizenzen an Volksgruppenradios und deren finanzielle Förderung sollte dieses Manko ausgleichen. Die Republik darf sich nicht hinter die von ihr selbst in den letzten Jahren geschaffenen Standards der Förderung der Volksgruppen zurückziehen. Die Situation der österreichischen Slowenen, Kroaten, Ungarn und Roma wird sicherlich auch im Blickpunkt des Weisenrates stehen. Ob die europäische Öffentlichkeit die für diese Woche geplante Aufstellung von zweisprachigen Ortstafeln in burgenländischen Gemeinden bei gleichzeitiger finanzieller Aushungerung von Volksgruppenradios als ausreichende Förderung von Minderheiteninteressen interpretieren wird, scheint fraglich!

Die Staatszielbestimmung bleibt eine leere Worthülse, wenn sie im Bereich der modernen und zukunftsorientierten Medienarbeit der Volksgruppenradios keine praktische Anwendung findet, d.h. die notwenige materielle Förderung versagt oder zurückgenommen wird.

Informationen: 02614/7008 Fax: 02614/7008-55 e-mail:mora@utanet.at


Stand: 10. Juli 2000