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Gesellschaft für bedrohte Völker fordert Minderheitenschutz im Kosova

Von: Aussendung der "Gesellschaft für bedrohte Völker"
Datum: 17.08.00
Uhrzeit: 11:54:28
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News

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat anlässlich der 57. Session des UNO-Komitees zur Beseitigung aller Formen der Rassendiskriminierung (CERD) in Genf einen Appell für den Schutz der Minderheiten im Kosova an die internationale Staatengemeinschaft gerichtet. Vor dem Komitee, das am 15./16. August zum Thema Roma debattierte, wies die Delegation der GfbV darauf hin, dass vor allem Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter weiterhin Verfolgungen ausgesetzt sind.

Die Zahl dieser Minderheiten im Kosova hat sich von 150.000 vor dem Krieg auf heute noch etwa 10.000 reduziert. In den albanisch kontrollierten Gebieten des Kosova ist die Sicherheitslage für die Minderheiten extrem schlecht. Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter, die aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe sofort identifizierbar sind, sind höchsten Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. Brandschatzung, Entführungen, Vergewaltigungen und Morde an Angehörigen dieser Minderheitengruppen sind leider immer noch an der Tagesordnung. Wenn die internationale Staatengemeinschaft nicht sofort entschlossen eingreift, werden die albanischen Extremisten bald ihren Traum eines ethnisch reinen Kosova erfüllt haben.

Ein Leben in Menschenwürde ist für Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter aber auch in den wenigen serbischen Enklaven nicht möglich. Hier ist zwar die Sicherheitssituation besser, doch ist die Versorgungslage katastrophal. Weil Angehörige von Minderheiten die Enklaven nicht ohne Gefahr für Leib und Leben verlassen können, ist in den meisten Fällen eine Erwerbstätigkeit, Schulbesuch oder auch nur der Einkauf von Nahrungsmitteln nicht möglich. Viele Familien sind somit auf Hilfslieferungen angewiesen, die allerdings diese Minderheiten nur in ungenügendem Ausmass erreichen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker überwies deshalb die folgenden vier Empfehlungen an das CERD und fordert die internationale Gemeinschaft auf zu gewährleisten, dass

* die Sicherheit für die Roma, Aschkali und Kosovo-Ägypter gewährleistet wird, indem überall, wo diese Minderheiten leben, die KFOR genügend präsent ist

* ihre Versorgungslage verbessert wird durch spezielle Projekte von Hilfsorganisationen

* private Arbeitergeber und staatliche Institutionen konsequente Anstrengungen unternehmen, um bei der Stellenbesetzung eine Mindestquote für Minderheiten einzuhalten

* Kindern dieser Minderheiten ermöglicht wird, ohne Gefahr eine Schule zu besuchen, wenn nötig mit militärischer Eskorte.


Stand: 17. August 2000