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KURIER: Hass auf Roma wird zum EU-Problem

Von: Kurier-Online (Jana Patsch)
Datum: 25.08.00
Uhrzeit: 16:00:22
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News

Heute, Freitag, wird in der nordslowakischen Ortschaft Zilina (Zilein) Anastazia Balazova zu Grabe getragen. Die 50-jährige Roma-Frau und Mutter von acht Kindern, war am Mittwoch ihren schweren Verletzungen erlegen, die ihr drei unbekannte Burschen mit Baseballschlägern zugefügt hatten. (...)

Der allen Anschein nach rassistisch motivierte Mord hat in der Slowakei eine Welle des Mitleids ausgelöst: "Es hat eine anständige Roma-Familie erwischt", lautet der äußerst bedenkliche Grundtenor, der viel über die Haltung der Slowaken gegenüber der Roma-Minderheit verrät. In einer TV-Reportage über die Familie Balaz wurde eine "ordentlich gepflegte" Wohnung gezeigt.

Ob das Mitgefühl so groß wäre, hätte es sich um so genannte "nicht angepasste", arbeitslose Roma gehandelt, die in einem ostslowakischen Dorf ohne Strom, Kanal und Wasser leben, will niemand beantworten. Denn die meisten Slowaken sind auf die Roma nicht gut zu sprechen. (...)

Bei einer im Vorjahr durchgeführten Untersuchung haben auf die Frage, ob sie Maßnahmen zur Trennung der Roma von den übrigen Einwohnern befürworteten, 36 Prozent mit "ja" und 24,3 Prozent mit "eher ja" geantwortet. Nur 24 Prozent lehnten die Idee ab.

Gegen diese Umfrage haben Roma-Aktivisten protestiert: Allein die Fragestellung provoziere Rassismus und Diskriminierung. (...) Mit der Ablöse des autokratischen Premiers Meciar, der selbst abschätzig von den "unangepassten Mitbürgern" sprach, hat sich die Minderheiten-Politik gebessert. Die Aufzählung der auch durch die EU unterstützten Roma-Programme, die Vize-Premier Pal Csaky koordiniert, klingt eindrucksvoll, sie greifen aber noch nicht. Denn die Regierung muss sparen. Die drastischen Wirtschaftsreformen haben zu einer allgemeinen Senkung des Lebensstandards geführt - und mit ihm schwindet die Toleranz der Mehrheitsbevölkerung gegenüber den Roma.

Die slowakischen Politiker sind sich dessen bewusst, dass die Roma-Frage unbedingt gelöst werden muss. Es droht nicht nur die Gefahr wachsender sozialer und ethnischer Spannungen im Land, auch der EU-Beitritt könnte dadurch verzögert werden. Ein Land mit einer solchen innenpolitischen Zeitbombe - so die Sorge Preßburgs - könnte in der Union auf geschlossene Türen stoßen.


Stand: 25. August 2000