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Ein Gesetz für die Magyaren im Karpatenbecken  - Budapest plant kulturelle und soziale Vergünstigungen

Von: Neue Zürcher Zeitung
Datum: 01.09.00
Uhrzeit: 08:34:55
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In Ungarn ist die Vorbereitung eines Gesetzes, das für die Mitglieder der magyarischen Minderheiten in den Nachbarstaaten bei Aufenthalten im Mutterland kulturelle und soziale Vergünstigungen vorsieht, weit fortgeschritten. Eine Lösung für die Überwindung neuer Trennungslinien infolge des Schengener Abkommens zeichnet sich allerdings nicht ab.

Die Ungarn sind seit dem Ende des Ersten Weltkriegs eine mehrfach geteilte Nation. Während das Mutterland heute rund 10 Millionen Einwohner zählt, leben in der Nachbarschaft gemäss den teils veralteten, teils nur auf Schätzungen beruhenden offiziellen Nachweisen dieser Staaten rund 2,8 Millionen weitere Magyaren: 1,7 Millionen in Rumänien, 570 000 in der Südslowakei, ferner 300 000 bis 400 000 in der serbischen Provinz Vojvodina sowie etwa 180 000 in der Karpato-Ukraine. Hinzu kommen kleinere Volksgruppen in Kroatien, Slowenien und im österreichischen Burgenland.

Dass die Mitglieder der magyarischen Minderheiten seit 1989/91 beliebig nach Ungarn reisen können, gilt für sie als eines der grossen Ergebnisse des politischen Umbruchs. Dass aber Ungarn dereinst als Mitglied der Europäischen Union gemäss dem Schengener Abkommen verpflichtet sein wird, auch die Magyaren ausserhalb des Landes dem Visumzwang zu unterwerfen, zeichnet sich als eine schwere Belastung ab.

Überlegungen darüber, wie man diesem Zustand zuvorkommen könnte, werden seit längerer Zeit angestellt, ohne dass eine Lösung in Sicht käme. Ein Gesetz, das sich in Budapest gegenwärtig in Vorbereitung befindet und den Magyaren jenseits der Grenze bei deren Aufenthalten im Mutterland kulturelle und soziale Vergünstigungen sichern soll, scheint seinen künftigen Nutzniessern gerade darum eine Enttäuschung zu bereiten, weil es auf das Schengener Problem keine Antwort enthält.

Die Schengener Problematik bleibt vorerst ausgeklammert. Aktuell ist dagegen zurzeit die Festlegung eines gesetzlichen Rahmens, der Magyaren aus den Nachbarländern (mit der Ausnahme Österreichs) in Ungarn selber gewisse kulturelle und soziale Vorteile garantiert. Diese Ungarn, so lautet eine Formel, sollen in ihrem Mutterland Rechte geniessen und spüren, dass sie mehr sind als sonstige Ausländer, die etwa als Touristen hier weilen. In Budapester Regierungsämtern heisst es dazu, mit dem Gesetz wolle man der EU zweierlei vorführen: dass Ungarn, das künftige EU-Mitglied, es sich nicht erlauben könne, die magyarischen Minderheiten, einen beträchtlichen Teil der Nation, einfach zu ignorieren; zugleich aber auch den Willen, einer Tendenz entgegenzutreten, die sich im Zuzug von Ungarn von jenseits der Grenzen manifestiert.

siehe auch unsere Meldung vom 17. August: http://www.hrvatskicentar.at/forum2/_disc/0000010f.htm


Stand: 01. September 2000