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In Serbien greift der Haß auf die Minderheit der Roma um sich

Von: Die Presse-Online
Datum: 01.09.00
Uhrzeit: 08:36:11
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News

Von Oktober 1999 bis Juli 2000 hatte der Menschenrechtsfonds in Belgrad mehr als 90 Fälle von Diskriminierung von Roma registriert. Die Angriffe auf Roma kommen oft von Skinheads. Im Mai wurde eine 13jährige in der Schule mit 17 Messerstichen verletzt. In Niš wurde ein Roma-Bub zusammengeschlagen, zwei Skinheads bekamen dafür in der Folge Strafen von kaum 300 Schilling aufgebrummt. Der Menschenrechtskämpfer Zoran Popović spricht von Straßenjagden der Skinheads auf Roma in allen größeren Städten Serbiens.

1997 wurde der 13jährige Roma-Bub Dušan Jovanović in der Belgrader Innenstadt von Skinheads erschlagen. Weniger schwerwiegende Vorfälle werden im allgemeinen nicht einmal registriert, und viele Roma haben auch Angst, sie den Behörden zu melden, vor allem dann, wenn sie keine gültigen Aufenthaltsdokumente besitzen. Von Zeit zu Zeit finden die Belgrader in ihren Briefkästen Pamphlete, in denen Roma als asiatische Parasiten beschrieben werden.

"Belgrad ist durch Zigeuner verschmutzt", heißt es in den Schmähschriften. Aber auch der serbische Staat macht den Roma das Leben nicht gerade leicht. Sie bekommen kaum Sozialhilfe, viele leben in Zelten oder armseligen Häuschen. Obwohl sie keinen stören, werden diese Siedlungen oft in Polizeiaktionen zerstört. In der Siedlung "Antena" in Belgrad lebten im Vorjahr mehr als hundert Roma, die aus dem Kosovo geflüchtet waren. Heuer an einem warmen Junitag kamen Planierraupen und walzten die Siedlung nieder. Jetzt sind die Roma zwar immer noch da, aber sie leben in Kartonhütten und unter Plastikdächern.

Die staatlichen Medien Serbiens berichten nichts über Diskriminierung oder Repression, und die Opposition schweigt dazu ebenso wie die breite Öffentlichkeit.


Stand: 01. September 2000