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Deutscher Kanzler Schröder: In Europa darf es keine Vertreibung mehr geben. Benes-Dekrete sind erloschen

Von: Volksblatt-Würzburg
Datum: 04.09.00
Uhrzeit: 09:06:02
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Ein Europa der Freiheit und Freizügigkeit werde erst dann verwirklicht sein, "wenn auf unserem Kontinent Vertreibung und Unterdrückung von Minderheiten endgültig der Vergangenheit angehören", sagte Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder am Sonntag in Berlin bei einem Festakt zum 50. Jahrestag der Charta der Heimatvertriebenen.

Kanzler Schröder würdigte, dass die Heimatvertriebenen in ihrer Charta Rache und Vergeltung eine Absage erteilt haben. Die am 5. August 1950 in Stuttgart verabschiedete Charta nannte der Kanzler eine historische Leistung und ein Dokument der Versöhnung. Die Millionen Vertriebenen seien Opfer der Verbrechen des Naziregimes gewesen. Sie hätten ohne persönliche Schuld für die "historisch einzigartige Vernichtungspolitik der Nazis" bezahlt.

Ausdrücklich bekräftigte Schröder auch die nach dem Krieg und nach der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze geschaffene Nachkriegsordnung. Die ehemaligen Gebiete im Osten wie Königsberg, das Sudetenland und Ostpommern "gehören zu unserem historischem Erbe, aber nicht zu unserem Staat", sagte er: "Die Bundesrepublik Deutschland hat keine Gebietsansprüche gegen ihre Nachbarländer".

Schröder erinnerte an seine Vereinbarung mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Havel, wonach beide Länder keine Vermögensfragen aufwerfen. Die Wirkung der umstrittenen Beneš-Dekrete, mit denen die Vertreibung und Enteignung gerechtfertigt wurden, sei erloschen.


Stand: 04. September 2000