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Kroatien holt zum Schlag gegen Kriegsverbrecher aus - Hochrangige Generäle verhaftet

Von: Standard-Online/News-Service (eigener Bericht)
Datum: 13.09.00
Uhrzeit: 08:08:41
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Kroatien hat zu einem groß angelegten Schlag gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher in den Reihen des eigenen Militärs ausgeholt. Polizisten nahmen am Dienstag einen früheren Führungsoffizier wegen des Anschlags auf den Zeugen von Kriegsverbrechen, Milan Levar, fest. Tihomir Orešković, früher Militärchef in der Stadt Gospić, und mehrere andere Verdächtige seien gefasst worden, berichtete das kroatische Staatsfernsehen HRT. Außerdem seien unabhängig davon die vom UNO-Kriegsverbrechertribunal (ICTY) gesuchten Generäle Ivan Andabak und Ignac Kostroman festgesetzt worden.

"Kroatien wird als Rechtsstaat handeln, ob einige es mögen oder nicht", sagte Ministerpräsident Ivica Račan am Abend im Fernsehen. Orešković wurde in Zagreb gefasst, mehrere andere aktive Armeeoffiziere in der mittelkroatischen Stadt Gospić, wo der Anschlag verübt worden war. Die Stadt war am Dienstag teilweise von Spezialpolizisten und Militärpolizei abgeriegelt. Unter den Festgenommen sei auch Milan Karić, ein Offizier des kroatischen Geheimdienstes SIS, berichtete der Fernsehsender.

Levar war Ende August durch die Explosion einer Handgranate getötet worden. Der 46 Jahre alte Mann hatte 1997 vor dem UN-Tribunal über Morde an Serben im Kriegsjahr 1991 in seiner Heimatregion ausgesagt. Der Ex-Soldat schockierte die kroatische Öffentlichkeit, als er Orečković und Mirko Norac - beide einst Militärkommandanten in Gospic - der Hinrichtungen an Serben beschuldigte. Dabei sollen 100 Menschen getötet worden sein.

Die neue kroatische Mitte-Links-Regierung hatte seit ihrem Amtsantritt zu Jahresbeginn im Gegensatz zur HDZ-Vorgängerregierung immer betont, „im Interesse des Landes und der Rechtsstaatlichkeit mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal zusammenarbeiten“ zu wollen. Kriegsverbrechen sollten aufgeklärt und die jeweils Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden, um die kroatischen Streitkräfte in ihrer Gesamtheit von Pauschalvorwürfen zu entlasten.


Stand: 13. September 2000