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"Gesellschaft für bedrohte Völker" wirft deutschsprachigen Südtirolern Minderheitenfeindlichkeit vor

Von: News-Service (eigener Bericht) 
Datum: 20.09.00
Uhrzeit: 09:40:43
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In einem offenen Brief wirft die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ der Südtiroler Landesverwaltung die Benachteiligung der ladinischen Minderheit vor. Konkret geht es um die Ausgrenzung der ladinischen Sprache durch die Verwaltung. Die deutschsprachigen Südtiroler hätten zwar für sich „lange und hartnäckig um die gleichwertige Präsenz“ des Deutschen mit der italienischen Staatssprache in allen Bereichen gekämpft und jede Gegnerschaft, jedes Versäumnis bei der Umsetzung „als Erbe des Faschismus bezeichnet“.

Wenn es um die Ladiner gehe, „scheint dieses Minderheitenrecht plötzlich inexistent zu sein. Die Landesverwaltung verwendet in den ladinischen Tälern in der Regel nur die deutsche und italienische, nicht jedoch die ladinische Sprache (obwohl die Verwendung des Ladinischen vorgeschrieben wäre). In den zahlreichen öffentlichen Aufschriften, Dokumenten, Mitteilungen, Formularen etc. wird die ladinische Sprache von der Landesverwaltung meistens nicht verwendet. Die Sprache der ansässigen Bevölkerung wird also übergangen, das Recht der Minderheit auf Verwendung der Muttersprache mißachtet“, kritisiert die „Gesellschaft für bedrohte Völker“.

Diese Praxis sei „nicht Unachtsamkeit (auch die wäre bereits Zeichen genug für die arroganate Einstellung gegenüber der Minderheitensprache), sondern Programm“. In der Landespolitik und -verwaltung herrsche offenbar der konkrete Wille, die ladinische Sprache bzw. das Recht der Ladiner auf ihre Muttersprache zu mißachten, heißt es in der Aussendung. Die Verwendung der Sprache der Minderheit in allen öffentlichen Aufschriften, Mitteilungen, Dokumenten usw. gehöre zu den unverzichtbaren Elementen jeden Minderheitenschutzes. Ohne gleichwertige Präsenz in der Öffentlichkeit werde eine Sprache als minderwertig eingestuft.

In der italienischen Provinz Südtirol konnte die deutschsprachige Mehrheit umfassende Autonomierechte für sich erreichen und kontrolliert die Landesverwaltung. Neben der deutschsprachigen (knapp 70%) und italienischen Bevölkerung lebt in Südtirol auch eine kleine ladinische Minderheit mit ca. 20.000 bis 30.000 Personen.


Stand: 20. September 2000