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Rat der Kärntner Slowenen vor finanziellem Ruin?

Von: Kurier-Online
Datum: 21.09.00
Uhrzeit: 13:41:36
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Der Rat der Kärntner Slowenen, die größere der beiden Volksgruppenvertretungen des südlichsten Bundeslandes, steht vor dem finanziellen Ruin. Als Konsequenz würden, wie Ratsobmann Bernard Sadovnik am Donnerstag mitteilte, alle fünf Mitarbeiter des Rates und der Wochenzeitung "Nas Tednik" ("Unser Wochenblatt") gekündigt. Falls nicht bis Dezember ein Sanierungskonzept zustande gebracht werde, drohten sowohl dem Rat als auch dem "Nas Tednik" das endgültige Aus. Als Hauptursache für den drohenden Zusammenbruch nannte Sadovnik in einer Pressekonferenz das Ausbleiben von bereits zugesagten Förderungen aus Slowenien in Höhe von 700.000 Schilling. Den derzeitigen Schuldenstand bezifferte er mit 1,9 Millionen Schilling. Dazu kämen ein jährlicher Abgang durch Personalkosten von gleichfalls 1,9 Millionen Schilling sowie die Beiträge des Rates für die Erhaltung des Volksgruppenzentrums in Wien. Der "Nas Tednik" belaste das Jahresbudget des Rates mit rund 5,3 Mill. S. Generell stünden laut Sadovnik Jahreseinnahmen von 6,8 Ausgaben von 8,7 Millionen Schilling gegenüber.

Auf Grund dieser Finanzmisere sei ihm nicht anderes übrig geblieben, als die Mitarbeiter des Rates und der Zeitung per Monatsende zu kündigen, sagte Sadovnik. Die Kündigungen würden mit 31. Dezember schlagend werden. Ebenfalls gekündigt werde der Mietvertrag des Rates mit der Hermagores-Bruderschaft, in dessen Gebäude in Klagenfurt die Slowenen-Organisation untergebracht ist.

Als Auswege aus der Krise sollen laut Sadovnik jetzt so rasch wie möglich ein Sanierungs- und ein Finanzierungskonzept erarbeitet werden. Darüber hinaus strebten der Rat und der Slowenische Zentralverband (ZV) einen einheitlichen Bundesförderungsfonds an und würden diesbezüglich an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel herantreten. Ebenfalls gedacht sei an eine gemeinsame Mediengesellschaft zwischen dem Rat und dem Zentralverband, mit dem Ziel, künftig eine gemeinsame Wochenzeitung herauszugeben. Auch ein gemeinsames Archiv sowie ein gemeinsamer Pressedienst sollten Bestandteil dieser Gesellschaft sein.

Sadovnik bemängelte, dass die Förderungen des Bundes für die Volksgruppe in den vergangenen Jahrzehnten generell "sehr niedrig gehalten wurden". Der Bund hätte im Durchschnitt nur rund ein Drittel von dem bezahlt, was aus Slowenien gekommen sei. "Im Sinne der Erhaltung der Volksgruppe sollte dies umgekehrt der Fall sein", meinte der Ratsobmann. Auch die Förderungen aus Slowenien für den Rat und den "Nas Tednik" seien in den vergangenen fünf Jahren um rund die Hälfte gekürzt worden, jene für den Rat und den Zentralverband um insgesamt rund ein Drittel.

In den vergangenen Jahren hatte es zwischen dem christlich ausgerichteten Rat der Kärntner Slowenen und dem eher linksgerichteten Zentralverband oftmals Unstimmigkeiten gegeben. Zuletzt hatten sich die beiden Organisationen aber im sogenannten Koordinationsausschuss zusammen gefunden. Sadovnik: "Es gibt jetzt so gut wie keinen Bereich, wo nicht der Konsens herrscht".


Stand: 21. September 2000