[ Reaktion | Vorwärts | Zurück | Nach oben ]

Kärnten richtet 80-Jahr-Feiern zur Volksabstimmung über die Südgrenze des Landes aus

Von: Der Standard
Datum: 09.10.00
Uhrzeit: 08:02:10
Name des Remote-Computers: 212.183.92.114

News

Auch wenn der 10. Oktober kein Landesfeiertag ist, haben sich rund 15.000 Teilnehmer für den großen Landesfestzug in Klagenfurt angemeldet. 80 Jahre nach der Volksabstimmung lädt das Land Kärnten zu den opulentesten 10.-Oktober-Feiern, die es je gab.

Noch nie war außerdem die Präsenz der Bundesregierung so stark wie unter der schwarz-blauen Koalition. An der Seite von Landeshauptman Jörg Haider werden am Dienstag Bundespräsident Thomas Klestil, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die aus Kärnten stammenden Minister Elisabeth Sickl, Karl Heinz Grasser sowie zwei Staatssekretäre den Aufmarsch mitverfolgen. Landesweit gibt es rund 40 Begleitveranstaltungen von Heimat- und Traditionsverbänden. Heute, Montag, findet der offizielle Landesfestakt im historischen Wappensaal des Landhauses statt.

Die Teilnahme der slowenischen Volksgruppe an den 10. Oktoberfeiern war bis zuletzt umstritten. Schließlich einigte man sich: Am Festakt im Wappensaal werden je ein deutsch- und slowenisch-sprachiger Kärntner das Wort ergreifen. Am Landesfestzug selbst wird nur eine der 33 zweisprachigen Gemeinden Kärntens präsent sein.

Aus Anlass der Feiern gibt sich Landeshauptmann Jörg Haider gegenüber den Kärntner Slowenen generös. Schon vor Wochen hat er ein Volksgruppenmandat im Landtag in Aussicht gestellt. Auch gegenüber Slowenien schlug Haider auf einer internationalen Pressekonferenz am Sonntag versöhnliche Töne an: "Das Gemeinsame soll vor das Trennende gestellt werden. Ich wünsche mir einen baldigen EU-Beitritt Sloweniens." Seine Bedingungen bleiben: Abschaffung der Avnoj-Bestimmungen, Anerkennung der altösterreichischen Minderheit, sowie Abschaltung des Atomkraftwerks Krsko.

Bei der Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920, besiegelten Kärntner deutscher und slowenischer Muttersprache durch Brudertrunk und Bruderkuss die gemeinsam erstrittene Landeseinheit. Damals entschied sich eine Mehrheit im gemischtsprachigen Südkärntner Raum für den Verbleib bei Österreich und gegen einen Anschluss an das damalige SHS-Königreich.

Der Volksabstimmung war der "Abwehrkampf" vorausgegangen. Die Nazis missbrauchten bald darauf den Abwehrkampf-Mythos gegen das verhasste Slawische. Die damals entstandenen Trennlinien zwischen den Volksgruppen wurden bis heute politisch instrumentalisiert.


Stand: 09. Oktober 2000