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Slowenen zufrieden mit der Einbeziehung in die Abstimmungsfeiern - Minderheitenpolitische Reaktionen

Von: Die Presse/ORF-Kärnten/News-Service (eigener Bericht)
Datum: 10.10.00
Uhrzeit: 09:07:35
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"Man spürt, daß die Volksgruppe nicht nur in Worten, sondern auch in Taten eingebunden wird", meint Bernard Sadovnik, Obmann des Rates der Kärntner Slowenen und offiziell zu den Volksabstimmungsfeiern eingeladener Minderheitenvertreter. 1995 hatte es nach der 75-Jahr-Feier noch herbe Enttäuschung gegeben, weil sich die Minderheitenvertreter ausgenutzt fühlten, diesmal ist das Klima positiv. In den vergangenen Tagen habe er allerdings auch gespürt, wie dünn das Eis sei, auf dem sich der Dialog bewege. "Es ist noch viel Betroffenheit und Verletzung da", meint er. Die Slowenen hoffen, bei den Verhandlungen mit dem Land Kärnten in den nächsten Wochen vor allem die Frage der Kindergärten, des Schulwesens, der slowenischsprachigen Medien und der Vertretung im Landtag zu lösen.

Daß Sadovniks Du-Freund Haider am Sonntag im Europastudio mit Gegenforderungen für den EU-Beitritt Sloweniens vorpreschte, trübt seine Freude nicht. "Minderheitenrechte und Sloweniens EU-Beitritt sind verschiedene Themen, die ich nicht junktimieren will." Wie die Bürger Sloweniens solche Aussagen aufnehmen, sei eine andere Sache.

Landeshauptmann Haider erklärte inzwischen laut ORF-Kärnten zur Aufstellung der noch ausständigen zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten, er wolle den Slowenen die Wahl überlassen, was ihnen wichtiger sei: Mehr Ortstafeln oder die Förderung von Kindergärten und Medien.

Die Minderheitensprecherin der Grünen Terezija Stoisits erklärte anläßlich der Gedenkveranstaltungen, Kärnten habe als zweisprachiges Land ein bedeutendes sprachliches, kulturelles, aber auch wirtschaftliches Potential, das nicht unterschätzt werden dürfe. „Der Erhalt dieser historischen Chance und die Förderung der slowenischen Volksgruppe, die dem Land diese Vorteile bringt, sollte daher eine Selbstverständlichkeit sein“, so Stoisits. Nicht Abgrenzung und ständige Abwehrmythik seien gefragt, sondern modernes, weltoffenes Denken, gemeinsames Planen und Handeln mit den Nachbarn und ein grundsätzliches mehrsprachiges und interkulturelles Zukunftskonzept. Mit einem "verkrampftem deutschnationalem Heimatbewußtsein", und dem Blick in die Vergangenheit werde Kärnten in einem zukünftigen Europa wohl nur hinten nachlaufen.


Stand: 10. Oktober 2000