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Österreicher - Polen. Eine Studie untersucht die Vorstellungen voneinander

Von: Die Presse
Datum: 09.11.00
Uhrzeit: 08:21:38
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News

Negativ gegenüber dem Land, positiv(er) gegenüber dem einzelnen Polen seien die Österreicher eingestellt. Auf diese Formel läßt sich eine Studie bringen, die die gegenseitige Wahrnehmung von Polen und Österreichern untersucht. Dienstag abend wurde sie vom "Europa Club Wien" präsentiert.

Der scheinbare Widerspruch könne damit erklärt werden, daß der bevorstehende EU-Beitritt Polens und seine wirtschaftlichen Folgen von den Österreichern als reale Bedrohung empfunden werden. Dies würde jedoch nicht auf den Polen als Einzelperson übertragen, erklärte Malgorzata Sikorska vom Warschauer "Institut für öffentliche Angelegenheiten", das die Studie erstellte. Rund 1000 Menschen wurden in jedem der beiden Ländern befragt.

Generell haben die Österreicher ein viel schlechteres Bild von Polen als die Polen von Österreich. Nach ihrer Sympathie/Antipathie gegenüber sieben anderen Völkern befragt, reihen die Österreicher Polen an die vorletzte Stelle. Nur die Russen schneiden schlechter ab. Erstaunlich sei, daß es "zwischen jungen und alten - noch von der Nazi-Ideologie beeinflußten - Österreichern" keinen Unterschied gebe, so die polnische Botschafterin Irena Lipowicz. Auch die Tatsache, daß "in 1000 Jahren Polen Österreich noch nie etwas Schlechtes getan hat", verbessere das negative Polen-Bild der Österreicher nicht, bedauerte sie.

"Es wurde kein System gegründet, den Nachbarn kennenzulernen", erklärte Rudolf Bretschneider, Leiter des Fessel-Meinungsforschungs-Instituts. "Ignoranz und durch die Medien verfestigte Vorurteile, etwa der Begriff Ostmafia", trügen das ihre dazu bei. Auch die österreichischen Schulbücher müßten auf ihr Polen-Bild untersucht werden, forderte Lipowicz. Die gewaltigen wirtschaftlichen Fortschritte, die Polen seit der "Wende" gemacht habe, würden nicht rezipiert und seien auch von heimischen Ökonomen lange unterschätzt worden, so Bretschneider.

"Weil wir uns ruhig verhalten, merkt es keiner", erklärte die polnische Botschafterin. "Dabei befinden wir uns auf der Reise und bewegen uns atemberaubend schnell vorwärts."


Stand: 09. November 2000