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Südafrikas Polizei neuerlich unter schwere Rassismuskritik :"Training" mit Hundehatz auf Schwarze

Von: Der Standard
Datum: 10.11.00
Uhrzeit: 08:48:24
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News

Südafrika hat verschärfte Schritte gegen Rassismus und Brutalität in der Polizei angekündigt, nachdem das Fernsehen Dienstagabend Bilder von Polizisten ausstrahlte, die ihre Hunde auf Schwarze hetzten. Sechs Offiziere wurden sofort verhaftet und sollen des versuchten Mordes angeklagt werden.

Die Misshandlung dauerte fast eine Stunde lang. Begleitet von Gelächter und rassistischen Beschimpfungen, hetzten im Januar 1998 sechs weiße Polizisten ihre drei Hunde auf drei schwarze Männer, die angeblich illegale Einwanderer waren. Während sich die Opfer gegen die Hunde zu wehren versuchten, vor Angst und Schmerzen schrieen und um ihr Leben flehten, traten die Polizisten die schwarzen Männer mit Stiefeln. Später wurden die drei, mit Bisswunden am ganzen Körper, von einem der Polizisten systematisch zusammengeschlagen. Das ganze Geschehen in der Nähe von Johannesburg wurde von einer Videokamera aufgezeichnet und später offenbar als "Trainingsvideo" deklariert.

Nach der Ausstrahlung wurden Zeitungsredaktionen am Dienstagabend von entrüsteten Anrufen überflutet. Der für die Polizei zuständige Minister Steve Tshwete, dem die Bilder vorher gezeigt wurden, veranlasste die sofortige Festnahme der sechs beteiligten Polizisten. Gegen weitere Mitglieder der Polizei wird ermittelt. "Ich bin entsetzt und entrüstet", sagte Tshwete. "Auch wenn das Ganze schon 1998 stattfand, ist es kaum zu glauben, dass so ein krasser rassistischer Vorfall noch vier Jahre nach dem Ende der Apartheid stattfinden konnte."

Die Bilder schädigen erneut das Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit. Vor wenigen Monaten waren mehrere Polizisten zu schweren Strafen verurteilt worden, nachdem ein Fernsehteam sie bei der Misshandlung von Verdächtigen auf Video gebannt hatte. Die weit verbreitete Kriminalität gilt als das wohl wichtigste soziale Problem des Landes, das alle Bürger täglich betrifft. Doch die Versuche der Polizei, gegen die Verbrecher vorzugehen, genießen wenig Vertrauen in der Bevölkerung. Trotz aller Bemühungen, die Polizei zu modernisieren, halten sich Vorwürfe von Rassismus, Brutalität und Korruption gegen die Ordnungshüter.

Auch die Behauptung von Präsident Thabo Mbeki, dass Rassismus unter den Weißen nach wie vor verbreitet ist und den Aufbau einer neuen, gerechten Gesellschaft erschwere, wird durch die Videobilder erhärtet. Tatsächlich ist Rassimus der Weißen im täglichen Leben immer noch weit verbreitet. Schwarze Farmarbeiter werden oft noch wie Sklaven behandelt. Selbst im kleinsten Alltagsstreit wird schnell zu rassistischen Beleidigungen gegriffen, ob im Straßenverkehr oder beim Warten am Postschalter.

"Wir brauchen dringend Maßnahmen, um Rassismus und Korruption auszumerzen", forderte am Mittwoch der Methodistenbischof Mvu-me Dandale, Präsident des südafrikanischen Kirchenrates. "Anstand, Gerechtigkeit und Mitgefühl sollten unsere moralischen Normen sein."


Stand: 10. November 2000