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Wahlen in Bosnien: Kroaten und Serben wählten wieder Nationalisten, Reformkräfte siegen im bosbniakischen Teil

Von: Der Standard
Datum: 13.11.00
Uhrzeit: 08:08:23
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Bei den allgemeinen Wahlen in Bosnien-Herzegowina vom Samstag haben sich die moderaten Reformkräfte offenbar nur in den bosniakisch dominierten Gebieten durchgesetzt. Zwar beanspruchte die Sozialdemokratische Partei (SDP) von Zlatko Lagumdžija aufgrund erster Trends bei den Wahlen des gesamtbosnischen Parlaments die meisten Stimmen für sich, in den überwiegend von Serben und Kroaten bewohnten Landesteilen behaupteten sich jedoch die nationalistischen Kräfte.

Offizielle Trends oder Ergebnisse will die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die als Wahlorganisator auftrat, erst am Montagabend bekannt geben. Vorerst sprach man lediglich von einer "hohen Wahlbeteiligung".

Die ersten Resultate beruhten auf Angaben der politischen Parteien. SDP-Chef Lagumdžija meinte in Sarajewo, seine Partei habe sich als stärkste Einzelkraft in der muslimisch-kroatischen Föderation und im Gesamtstaat durchgesetzt. In der Föderation habe die SDP rund 40 Prozent der Stimmen erhalten. An zweiter Stelle rangierte im bosniakisch dominierten Landesteil die "Partei für Bosnien-Herzegowina" (SBiH) von Expremier Haris Silajdžić. Verluste dürften hingegen die Nationalisten der SDA (Demokratische Aktionspartei) des früheren Vorsitzenden des Staatspräsidiums, Alija Izetbegović, einfahren. Der SDA wurden Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen.

In der Republika Srpska setzten sich die Nationalisten durch. Die Serbische Demokratische Partei (SDS), die früher vom als Kriegsverbrecher gesuchten Serben-Führer Radovan Karadžić geleitet worden war, reklamierte rund 60 Prozent der Stimmen für sich. Ihr Spitzenkandidat Mirko Šarović lag nach SDS-Angaben auch bei den Wahlen für das Präsidentenamt in der Republika Srpska voran. Die Partei des Demokratischen Fortschritts (PDP) des als gemäßigt geltenden Mladen Ivanić kann demnach mit maximal 20 Prozent rechnen, der amtierende Premier der Republika Srpska, Milorad Dodik, vom Wahlbündnis "Sloga" mit höchstens 19 Prozent.

Auch die HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) präsentierte sich als Sieger: Sie hätte bei der kroatischen Bevölkerung rund 70 Prozent der Stimmen errungen.


Stand: 13. November 2000