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Burgenlandkroaten fordern alle Formulare für die mehrprachigen Gebiete im Burgenland mehrsprachig

Von: News-Service (eigener Bericht)
Datum: 20.11.00
Uhrzeit: 10:05:56
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News

„Fast dreizehn Jahre nachdem Minderheitenangehörige vor dem Verfassungsgerichtshof das Recht auf die Verwendung der kroatischen Amtssprache vor Ämtern und Behörden – gegen den Widerstand der Bundesregierung – durchgesetzt haben, gibt es im Burgenland noch immer kein einziges zweisprachiges Formular“, kritisiert erklärt die Vorsitzende des Kroatischen Akademikerklubs Silvija Resetarits. „Stattdessen erhält man, wenn man erstens ausdrücklich darauf besteht, und wenn man zweitens Glück hat, kopierte Hilfsübersetzungen oder ein bedauerndes Kopfschütteln: haben wir nicht, gibt es nicht.“

„Dieser Zustand unterläuft das Recht der Burgenlandkroaten auf Verwendung ihrer Muttersprache im öffentlichen Leben. Die Folge ist, daß das Kroatische in tausenden Fällen pro Jahr mündlich als Amtssprache verwendet wird, aber nur in sehr wenigen Fällen schriftlich. Wir verlangen daher, daß die Bundesregierung umgehend alle in den zweisprachigen Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften aufliegenden Formulare zweisprachig auflegt und von der willkürlichen Benachteiligung des Kroatischen abgeht. Nur so kann sichergestellt werden, daß die Minderheitensprachen des Burgenlandes auch vor den Ämtern und Behörden alltägliche Normalität werden.

Wenig hält Resetarits von den Ankündigungen aus dem Bundeskanzleramt, man werde in zweisprachigen Gemeinden „eine Erhebung durchgeführen, welche Formulare am öftesten auch zweisprachig verlangt werden“. Resetarits: Das Kroatische ist im Burgenland laut Staatsvertrag, Artikel VII, zweite Amtssprache und gilt für alle Formulare und alle Amtshandlungen. Jede Einschränkung ist eine Verletzung dieser Bestimmung“. Außerdem sei es eine Farce, derartige Umfragen erst jetzt durchzuführen, „nachdem man die Leute dreizehn Jahre lang heimgeschickt hat“. Wenn es immer heißt „haben wir nicht, gibt es nicht“, dann werde auch nicht jede Woche nachgefragt, so Resetarits. Österreich solle sich ganz einfach ein Beispiel an Südtirol nehmen und die Formulare mehrsprachig auflegen. Schließlich könnten zweisprachige Formulare von allen Bevölkerungsgruppen gleich verwendet werden.


Stand: 20. November 2000