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Spitzenkandidaten punkteten daheim, Grüne in kroatischen Gemeinden am stärksten

Von: Der Standard
Datum: 05.12.00
Uhrzeit: 08:18:57
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News

Früher, als die Menschen durch die schiere Größe von Bauwerken zu beeindrucken waren, muss der Eindruck überwältigend gewesen sein. Noch heute spürt man ein wenig davon, wenn man sich Frauenkirchen nähert und dabei die gewaltige Wallfahrtsbasilika aus dem Horizont wachsen sieht. Aber heute sieht sich der Ort in der Mitte des burgenländischen Seewinkels weniger als besinnlicher Pilgertreffpunkt, eher als eine Art moderne Metropole, mit Fußgängerzone und allem, was dazugehört.

Den Frauenkirchnern taugt's sichtbar, und für den Fortschritt machen sie ihren Bürgermeister verantwortlich: Hans Nießl. In Zeiten des Wahlkampfes hat der künftige Landeshauptmann des Burgenlandes das "ß" rechtschreibregelwidrig aber lesefreundlich auf ss geändert, ansonsten hätte er bei Großbuchstabenschrift das alte, ungarische sz verwenden müssen, das sich in seiner Ahnenreihe tatsächlich findet. Dieser Hans Niessl wurde am Sonntag von 70,52 Prozent der Frauenkirchner gewählt. Die SPÖ konnte ihren Anteil in der katholischen Gemeinde (die Nachbargemeinde Gols ist Österreichs größte evangelische) um 15,14 Prozent steigern, dass Hans Niessl früher ein Evangelischer war, hat die Menschen nicht gestört. Er konvertierte ja.

Das Wahlergebnis des Hans Niessl ist beeindruckend, aber nicht ungewöhnlich. In ihren Heimatgemeinden legten die Spitzenkandidaten zu, was auch als Indikator für die tiefe dörfliche Verwurzelung der Burgenländer interpretiert werden kann. Am wenigsten gelungen ist dies dem zurückgetretenen ÖVP-Chef Gerhard Jellasitz in Purbach am Neusiedler See, wo der Exnationalrat Franz Steindl Bürgermeister ist: von 47,83 auf 48.07. Wesentlich deutlicher fiel das Ergebnis in Halbturn aus. Bürgermeister Stefan Salzl steigerte den Anteil der FPÖ in dem Ort rund um das ehrwürdige Barockschloss auf 33,87 Prozent (gegenüber 25,81 1996).

Hochzufrieden waren auch die Grünen. Spitzenkandidatin Grete Krojer legte in Wulkaprodersdorf/Prodrštof von 9,45 auf 17,79 Prozent zu. Und Joško Vlasich in Großwarasdorf/Veliki Boristof um 6,9 auf 11,1 Prozent.

Insgesamt konnten die Grünen gerade in den kroatischen Gemeinden überdurchschnittlich dazugewinnen. Teils stark auf Kosten der ÖVP, teils leicht auf Kosten der SPÖ. So erlitt ÖVP-Geschäftsführer Niki Berlakovich in Nebersdorf/Suševo ein Minus von 11,2. Sein Gegenüber bei der SPÖ, Norbert Darabos in Kroatisch Minihof/ Mjenovo eines von 1,9. Stärkste Partei in den kroatischen Gemeinden ist nach wie vor die SPÖ (53,4), die Grünen erreichten 6,2 Prozent, die ÖVP 32,1, die FPÖ 8,4.

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Siehe auch die Meldungen: http://www.hrvatskicentar.at/forum2/_disc/000001d1.htm und http://www.hrvatskicentar.at/forum2/_disc/000001d0.htm


Stand: 05. Dezember 2000