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Wissenschaftler warnen vor einer Verarmung der Sprachenvielfalt in Europa

Von: dpa
Datum: 05.01.01
Uhrzeit: 08:02:14
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Die 15 Länder der Europäischen Union sollten größere Anstrengungen zur Pflege ihrer Sprachen unternehmen, sagte der Leiter des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache, Gerhard Stickel, in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Europaweit sei "BSE" - Bad Simple English (schlechtes einfaches Englisch) auf dem Vormarsch.

"Das ist kein Kampf gegen Englisch als internationale Hilfssprache", sagte Stickel. Englisch setze sich jedoch in wissenschaftlichen Publikationen und in vielen international operierenden Unternehmen zunehmend als ausschließliche Fachsprache durch. Falls sich diese Entwicklung fortsetze, könne es sein, dass in zwei oder drei Generationen Deutsch nur noch "beim Skatspielen" gesprochen werde. Ein "Sprachreinigungsgesetz" zur Verbannung von Fremdwörtern aus dem Deutschen sei jedoch nicht notwendig.

"Wir bekommen eine trivialkulturelle Vereinheitlichung", warnte Stickel. Die EU sollte sich im Willen einigen, die europäische Sprachenvielfalt nicht zu verkürzen. So seien etwa die Menschenrechte zuerst auf Französisch formuliert worden. Der Philosoph Immanuel Kant solle auch in Zukunft noch auf Deutsch gelesen werden können. "Wir haben ein reiches kulturelles Erbe, das wir nicht wegwerfen sollten."

In diesem Jahr noch wollen sich Sprachwissenschaftler aus allen 15 EU-Ländern in Florenz treffen, um einen Ständigen Rat der Sprachakademien zu gründen. Dieser soll die EU in der Sprachpolitik beraten und die europäische Zusammenarbeit fördern.


Stand: 05. Januar 2001