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Erstmals bekennen baskische Katholiken ihre Versäumnisse - Kirche tritt gegen ETA auf

Von: Der Standard-Online
Datum: 15.01.01
Uhrzeit: 11:11:19
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Mit dem Aufruf zu einem "Friedensgebet für das Baskenland" sind die Bischöfe mehrerer Diözesen des Baskenlandes und Navarras erstmals seit der Gründung der ETA vor mehr als dreißig Jahren geschlossen gegen den Terrorismus aufgetreten. Während ein teilnehmender Würdenträger die Versammlung von rund 50.000 Gläubigen - darunter Politiker aller Parteien - unter freiem Himmel in Vitoria als "gewöhnliche Andacht, wie viele andere auch" bezeichnete, haben sich Angehörige von Terroropfern von der Initiative überrascht gezeigt.

Das Eingeständnis, die katholische Kirche habe "nicht genug für den Frieden und gegen die Ungerechtigkeit getan", sowie das Versprechen, in Zukunft jenen beizustehen, "die Angst, Bedrohung und Erpressung ausgesetzt sind", wurde als Stellungnahme gegen die Eta interpretiert, wie sie von der baskischen Amtskirche noch nie so unmissverständlich zu hören war.

Papst Johannes Paul II. hatte in einer Grußbotschaft zur Einheit und Versöhnung der Basken aufgerufen und die Katholiken aufgefordert, "ihre Stimme für das Leben, die Sicherheit und die Freiheit zu erheben". Es könne, so der Papst, "keinen Frieden geben, wo Menschenleben nicht verteidigt werden".

Die Ende der 60er-Jahre als Befreiungsbewegung gegen die Franco-Diktatur gegründete ETA stützte sich immer wieder auf das Wohlwollen und sogar die aktive Mithilfe von Priestern. Trotz des Wandels, den die ETA mit der Rückkehr Spaniens zur Demokratie durchmachte, war es nie zu einer öffentlichen Abrechnung der Kirche mit dem Terrorismus gekommen.


Stand: 15. Januar 2001