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Minderheitenfeindlichkeit in Österreich nach einem Jahr "Schwarz-Blau": Das Land ist "ganz unauffällig"

Von: Kurier
Datum: 30.01.01
Uhrzeit: 07:53:50
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Ein Jahr schwarzblaue Koalition hat die Einstellung der Österreicher gegenüber Minderheiten nicht verschlechtert. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus sind nicht angestiegen. „Wir können auf Grund von vergleichenden Untersuchungen von Eurobarometer sagen, dass sich das Meinungsklima gegenüber ethnischen, religiösen und kulturellen Minderheiten in Österreich nicht verändert hat. Es gibt keine fremdenfeindlichen Initiativen der Bundesregierung. Österreich ist ganz unauffällig im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedsländern.“ Dieses Resümee über ein Jahr Wende zieht Beate Winkler, die Leiterin der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Als österreichisches Phänomen nennt die EU-Expertin den hohen Anteil von Ablehnenden und Unentschlossenen gegenüber kultureller Vielfalt. Österreich hat mit 20 Prozent der Befragten den höchsten Anteil, die „nicht wissen“, ob es für eine Gesellschaft positiv ist, wenn sie aus Menschen unterschiedlicher Rasse, Religion und Kultur besteht. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei zwölf Prozent.

„Man kann diese Gruppe stark beeinflussen, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung“, interpretiert Winkler die Daten. Um die Einstellung jedoch nicht ins Negative zu verändern, ist für sie „eine klare Positionierung der Politik“ erforderlich. „Die Verantwortlichen müssen sagen, warum kulturelle Vielfalt positiv ist und was sie dem Einzelnen bringt. Politiker dürfen Ängste gegenüber Fremden nicht schüren oder instrumentalisieren.“

Wie dies funktionieren kann, erklärt Winkler am Beispiel der Toleranz der Österreicher gegenüber anderen Religionen. 82 Prozent der befragten Bürger akzeptieren fremde Religionen (z. B. den Islam), nur zwölf Prozent fühlen sich durch andere Religionen „gestört“, sechs Prozent sind unentschieden. Österreich liegt mit dieser hohen Zustimmung und Toleranz anderen Religionen gegenüber im europäischen Spitzenfeld. „Das ist ein Verdienst der Kirchen-Vertreter und ihrer konsequenten Haltung“ (Winkler).


Stand: 30. Januar 2001