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Stoisits kritisiert Bundeskanzler Schüssel: "Polnische Volksgruppe wird vorsätzlich diskriminiert"

Von: News-Service (eigener Bericht)
Datum: 15.02.01
Uhrzeit: 12:59:33
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News

"Die Weigerung von Bundeskanzler Schüssel, die Polnische Volksgruppe in Österreich auch rechtlich anzuerkennen, ist symptomatisch für den Umgang der Republik Österreich mit ihren Minderheiten", kritisiert die Minderheitensprecherin der Grünen Terezija STOISTS eine Anfragebeantwortung des Bundeskanzlers in einer Aussendung.

"Schüssel leugnet in dieser Anfragebeantwortung schlichtweg die Existenz der Polen als Volksgruppe in Österreich und das obwohl die Gruppe bestens organisiert ist, auf große Traditionen bis ins 18. Jahrhundert verweisen kann und vor allem im kulturelle Bereich sehr aktiv ist, bemängelt Stoisits. Der einzige Grund für die Verweigerung der Anerkennung ist für den Bundeskanzler offensichtlich der Umstand, dass es die polnische Volksgruppe auch geschafft hat, polnische Zuwanderer in den letzten beiden Generationen zu integrieren. Aber gerade diese Leistung sollte besondere Anerkennung verdienen", heißt es in der Aussendung.

"Österreich geht offensichtlich nach wie vor von einem überkommen Verständnis von Volksgruppenpolitik aus, an dem noch immer der Geruch von Blut und Boden haftet. Anstatt die bestehende Vielfalt der österreichischen Bevölkerung zu fördern und das sprachliche und kulturelle Potential für die Gesamtgesellschaft nutzbar zu machen, werden Minderheiten und deren Identitäten über Generationen assimiliert, um schließlich die letzten Reste der Kultur, meist nur noch folkloristische Versatzstücke, unter Schutz zu stellen,", so Stoisits.

"Wir fordern eine grundsätzliche Neuorientierung der Minderheitenpolitik. Es geht um die Förderung der Menschen, die jetzt und hier leben, um deren Sprachen und kulturelle Kompetenzen. Davon kann Österreich profitieren, hier sollte kultur- und bildungspolitisch angesetzt und großzügig gefördert werden", so Stoisits. Die Verweigerung des Bundeskanzlers, die Polen als Volksgruppe anzuerkennen und damit auch zu fördern, sei hingegen der völlig falsche Weg und eine problematische minderheitenfeindliche Wende der schwarzblauen Regierung, nachdem die Ungarn in Wien vor einigen Jahren anerkannt worden waren.

Zur Anfragebeantwortung des Bundeskanzlers: http://parla8.parlinkom.gv.at/pd/pm/XXI/AB/his/016/AB01675_.html


Stand: 15. Februar 2001