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Die Sprache der Burgenländischen Kroaten

Das Sprachgebiet der Burgenländischen Kroaten ist kein zusammenhängendes, sondern setzt sich gewissermaßen aus mehreren kleineren Arealen zusammen. Auch aus dialektologischer Perspektive ist die Sprache der Burgenländischen Kroaten in mehrere Untergruppen gegliedert. Selbst auf diesem kleinen Raum findet man Mundarten aller drei kroatischen Dialektgruppen, also des Čakavischen, Kajkavischen und Štokavischen.

 

Die am weitesten verbreitete Dialektform ist der čakavische Dialekt in einer ikavisch-ekavischen Ausprägung. Diese Sprachform wird im Nordburgenland von den Hati auf dem Heideboden, den Poljanci rund um Eisenstadt und im Mittelburgenland von den Dolinji gesprochen, ebenso in den jeweils angrenzenden Gebieten in Ungarn und der Slowakei. Der Vokal /ě/ entwickelt sich hierbei entweder zu /i/ [dite] oder zu /e/ [leto], abhängig vom nachfolgenden Konsonanten. Dieser Dialekt stellt die Basis für die kodifizierte Schriftsprache dar. Die starke Diphthongierung des ekavischen jat-Reflexes führte in vielen Fällen zur orthographischen Umsetzung als -i/je- (leto > ljeto).

Dem kajkavischen Dialekt werden nach der Verwendung des Interrogativpronomens zwei Dörfer südlich des Neusiedler Sees im heutigen Ungarn zugerechnet: Hidegség / Vedešin und Fertőhomok / Umok. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Mundarten dieser beiden Orte eher als Übergangsdialekte zu werten sind und viele wichtige Merkmale kajkavischer Dialekte nicht aufweisen.

Die štokavischen Dialekte findet man südlich des Geschriebensteins, also im Südburgenland und auch in den angrenzenden kroatischsprachigen Ortschaften in Ungarn, bei den Štoji und Vlahi. Ebenso wie bei den kajkavischen Dialekten zeigen auch hier genauere dialektologische Untersuchungen, dass es sich nicht um klassische štokavische Dialekte handelt, sondern um Übergangsformen oder sogar Mischformen mit dem Čakavischen. Im Südburgenland findet man außerdem die Dialektgruppe der Südlichen Čakaver. Anzumerken ist, dass diese drei Dialektformen die einzigen ikavischen Mundarten sind.

Zwei Dörfer, Chorvátsky Grob / Hrvatski Grob in der Slowakei und Weingraben / Bajngrob im Mittelburgenland stellen dialektologisch eigene Sprachformen dar.

 

Spätestens seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer kontinuierlichen schriftsprachlichen Tradition, größtenteils liturgischer Texte, in der regionalen čakavisch-ikavisch-ekavischen Variante. Dieses Schrifttum wurde der Grundstein für eine eigenständige Varietät. Versuche einzelner sprachpolitischer Akteure, auch in Westungarn und später im Burgenland die neuštokavische Standardsprache zu implementieren, scheiterten regelmäßig. 1982 wurde der erste Schritt für eine grundlegende Normierung der burgenländischkroatischen Varietät getan, an dessen Realisierung man schon seit den frühen 1970er Jahren arbeitete. Unter der Leitung von Josip Hamm, damals am Institut für slawische Philologie der Universität Wien tätig, erarbeitete eine Gruppe von Philologen den ersten Teil eines normativen Wörterbuches – Deutsch-Burgenländischkroatisch-Kroatisches Wörterbuch. Der zweite Teil des Wörterbuches erschien 1991, diesmal mit Lemmata in burgenländischkroatischer Sprache an erster Stelle, gefolgt vom Kroatischen und Deutschen: Gradišćanskohrvatsko-hrvatsko-nimški rječnik [Burgenländischkroatisch-Kroatisch-Deutsches Wörterbuch]. Das Autorenteam stand diesmal unter der Leitung von Božidar Finka von der Kroatischen Akademie der Wissenschaften sowie von Radoslav Katičić, damals Professor an der Wiener Slawistik. 2003 folgte schließlich die normative Gramatika gradišćanskohrvatskoga jezika [Grammatik der burgenländischkroatischen Sprache]. Diese beschreibt nicht nur deskriptiv, sondern präskriptiv die Bereiche Phonetik und Phonologie, Morphonologie, Morphologie, Wortbildung, Syntax und Wortstellung. Im einleitenden historischen Abriss stellt das Autorenkollektiv fest, dass die Standardisierung dieser Koine notwendig war, um den Burgenländischen Kroaten eine Verwendung dieser Sprache im Sinne einer polyvalenten Hochsprache zu garantieren, dass diese also in Medien, Schulen, Administration und anderen Bereichen zu gelten hat. 2009 schlussendlich erschien dann auch das Orthographiehandbuch Pravopis gradišćanskohrvatskoga književnoga jezika [Rechtschreibung der burgenländischkroatischen Schriftsprache].

 

Die standardisierte Varietät der Burgenländischen Kroaten basiert also anders als die kroatische neuštokavische Standardsprache auf einem čakavisch-ikavisch-ekavischen Dialekt und weist einige Archaismen auf. Abweichungen sind so zum Beispiel das Fehlen des Graphems (und Phonems) đ und Konsonantenverbindungen wie -šć- und -čr- (gegen -št- und -cr- in der kroatischen Standardsprache). Charakteristisch ist auch die Diphthongierung der Vokale o, e sowie die Bewahrung der alten Akzentstelle, also das Fehlen der neuštokavischen Akzentverschiebung. Unterschiede gibt es auch in der Morphologie, wo das Burgenländischkroatische zum Beispiel keine Kasushomonymie bei Dativ, Lokativ, Instrumental Plural aufweist, der Genitiv Plural endet auf –ov bzw. -ev oder weist eine Nullendung auf. Ein wichtiger Unterschied liegt sicher auch in der Lexik. So gibt es viele Übereinstimmungen mit dem Kajkavischen und Slowenischen sowie starke Einflüsse aus der ungarischen und deutschen Sprache, gerade auch durch semantische Entlehnungen, Lehnübersetzungen und Lehnprägungen.

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