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Slowenen in Dörfern der Hati und Poljanci

Roman Kriszt und Hubert Bergmann stellten im Kroatischen Zentrum ihre Forschungen zur Ansiedlung von Slowenen zwischen den Kroaten vor. Roman Kriszt und Hubert Bergmann im Kroatischen Zentrum. WIEN - Am Mittwoch, dem 20. November 2024 hielten der Jurist mag. Roman Kriszt und der Slavist und Lexikograf Dr. Hubert Bergmann im Kroatischen Zentrum in Wien einen Vortrag zur Migration der Slowenen in kroatische Gemeinden des damaligen Westungarn und Niederösterreich im 17. Jahrhundert. Diese erst vor Kurzem entdeckte Migration war bisher weder in der burgenländischen, noch in der slowenischen Literatur bekannt. Alles begann im Jahr 2022, als Kriszt ein Buch zu Häusern, ihren Bewohnern und deren Namen in Pama schrieb. Bei seiner Recherche fiel ihm auf, dass ab 1690 in Chroniken immer mehr Menschen mit dem Zusatz „ex-carnolia” bzw. „carnolius” aufscheinen. Das bedeutet „aus Krain” und „Krainer” und ist ein festes Indiz dafür, dass es eine größere slowenische Migration in kroatische Dörfer gegeben haben muss. Mit dem Slavisten Dr. Hubert Bergmann analysierte Kriszt noch weiter seine Recherchen, wodurch die beiden in anderen Dörfern weiter fündig wurden. Besonders viele slowenische Namen fanden sie in Pama, Kittsee, Parndorf, Sarndorf (Čunovo), Bezenye, Kroatisch-Jahrndorf (Jarovce) und in Edelstal. In kroatischen Dörfern nördlich der Donau, sowie im mittleren und südlichen Burgenland wurden bisher kaum slowenischen Namen gefunden. Am meisten fanden die beiden zu Pama heraus, da sich Kriszt schon länger mit der pamaner Dorfchronik befasst hatte. Kärnten vs Krain Der Großteil dieser ehemaligen Krainer stammte aus Šenčur (Sankt Georgen). Schriftlich existiert dieser Ort in verschiedenen Varianten, wobei es sich möglicherweise auch um unterschiedliche Dörfer mit demselben Namen handeln könnte. Die Dokumentation von Einzelpersonen war in manchen Fällen ziemlich klar, in anderen wiederum eher vage. Das idealste Fallbeispiel ist eine Hochzeit in Pama, mit der eine Person aus dem Ort „Uševka” dokumentiert wurde, die 30 Jahre zuvor auch in der Chronik des krainer Dorfes mit dem selben Namen dokumentiert ist. Auszug aus den Sterbebüchern von Bezenye. Solche Fälle sind jedoch äußerst selten, so Kriszt und Bergmann. Oftmals sind Informationen in Chroniken unklar und inkonsestent. Dokumentiert wurden Menschen aus Kärnten, Krain und der Steiermark, jedoch ist sichtbar, dass kroatische Pfarrer in den Chroniken häufig Kärnten und Krain verwechselten. Zusätzlich war im 17. Jahrhundert noch nicht festgelegt, ob der Hausname oder der Familienname als offizieller Name angeführt wurde, sodass beide Arten von Namen in den Chroniken aufscheinen. Ein Beispiel für einen Namen dieser Migration und wie er sich mit der Zeit verändert hatte ist „Bolka” . So wurde aus „Bolka” zunächst „Volchnetz” , dann „Vorschitz” und daraus „Valenschitz”, bis daraus weiter die Namen „Bolsicz” , „Volsich ” und schließlich „Waidschutz” entstanden. Verschiedenste Namen wurden so klanglich verändert und/oder kroatisiert bzw. germanisiert, und das sogar im Laufe eines Menschenlebens. Interessant ist, dass in manchen Chroniken ab und zu auch die Namen von Kindern und bei einigen Hochzeiten sogar der Name der Braut fehlen. Nicht nur an Nachnamen lassen sich migranten aus Krain indentifizieren. Namen wie Primus, nach dem heiligen Primus und Aleš, nach dem heiligen Alexius sind typisch slowenisch. Zusätzlich finden sich bei einigen Namen auch spuren slowenischer Dialekte. Drei Siedlungsphasen Roman Kriszt stolperte bei seinen Recherchen zu Pama über „carnolus” und „ex-carnolia” Was die slowenischen Migrationen zwischen 1690 und 1720 angeht, sind drei Phasen erkennbar. Der Höhepunkt der Migration war zwischen 1690 und 1710, mit einem kleinen, aber auffäligen Aufschwung zwischen 1710 und 1720, während die Migration von 1720 bis zu ihrem Ende, im Jahr 1730 stetig zurückging. Besonders sichtbar sind slownische Namen in Sterbebüchern ab den 1740er Jahren. Die meisten Slowenen kamen aus Oberkrain, kleinere Gruppen aus der Steiermark, Kärnten und dem Übermurgebiet. In den ersten 30 Jahren mischten sich die neu zugezogenen Slowenen kaum mit den Kroaten, später assimilierten sie sich aber vermehrt, sodass der maximale Slowenenanteil in den Dörfern konstant bei 10-15% lag. Als Beispiel für dieses Phänomen wurde eine dokumentierte Person namens Debeljak mit dem Zusatz „Slowene, aber guter Kroate” genannt. Auch wenn schon einiges gefunden wurde, befindet sich diese Projekt noch in einer aktiven Forschungsphase, so Kriszt und Bergmann. Daher ist es möglich, dass noch viel unterwartetes entdeckt werden kann. Text: Oskar Rupp Bilder: Petar Tyran

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